Was ist von den Kulturleuten zu halten?

D.K.: wink.at hat Personen aus Kunst und Kultur nach ihrer Haltung zum Thema "Kunstminister" befragt.

Die Ausgangssituation: Stellen Sie sich vor, Sie werden KunstministerIn...
Nach wie vor fehlen die Antworten der drei größten Parteien: SPÖ, ÖVP und FPÖ. Warum kommen gerade von dort keine Rückmeldungen?

M.W.: Offenbar halten sie die Frage, ob es ein gemeinsames Kulturministerium geben wird für nicht so wichtig.

Es ist Sommer, die sind im Wahlkampf - das könnte ein Argument dafür, ein Argument dagegen sein. Das ist reine Spekulation.

D.K.: Andererseits haben Die Grünen und das Liberale Forum besonders schnell reagiert.

M.W.: Das hängt sicherlich damit zusammen, dass gerade die Grünen und die Liberalen in der Kulturpolitik noch weit eher ein inhaltliches Profilierungsfeld sehen.

Man sieht es nicht zuletzt auch an der KPÖ, die jetzt eine Landschaft von Künstlern in den Wahlkampf schickt.
Das ist irgendwie ein Indiz, das kleinere Gruppierungen mit vermeintlichen Randthemen glauben, sich eher profilieren zu können.

D.K.: In den Antworten auf die Umfrage von wink.at wurde als wichtigstes zu verwirklichendes Anliegen mehrfach die Einrichtung einer KünstlerInnensozialversicherung genannt.

Der politische Wille dazu wird schon seit 20 Jahren kund getan, aber ist in der nächsten Legislaturperiode mit einer Umsetzung zu rechnen?

M.W.: Das ist ein heikles politisches Thema, und das ist den Interessensvertretungen durchaus klar.

Ich bin sehr dafür, dass eine Künstlersozialversicherung eingeführt wird, aber es bedarf schon auch einer ganz besonderen Erklärung in der Öffentlichkeit, warum gerade diese, und nur diese Berufsgruppe eine Ausnahmeregelung und besondere Vorleistung durch den Staat erhalten sollte - ohne per se irgendeine Gegenleistung vorschlagen zu können.

Aber ich glaube auch, sie werden eine Lösung finden.
Sie müssen eine Lösung finden, denn die Ausnahme von der Pflichtversicherung ist nur noch einmal bis zum 1.1.2001 prolongiert worden.

D.K.: Was würden Sie, als Politikwissenschafter, bei den eingelangten Antworten als besonders auffallend oder verwunderlich bezeichnen?

M.W.: Sowohl bei Heide Schmidt, als auch bei Madeleine Petrovic, und indirekt auch bei Friedensreich Hundertwasser ist die Rede davon, dass die Freiheit der Kunst gewahrt werden müsse.
Der Kulturpolitik dürfe es immer nur um die Zur-Verfügung-Stellung der geeigneten Rahmenbedingungen gehen.
Wenn man sich aber Kunstproduktion im Detail ansieht, dann ist die voll der unterschiedlichsten Abhängigkeiten.

Nämlich ganz konkret, ob ich eine Förderung bekomme oder nicht.
Ob sich jemand meine Sachen ansieht oder nicht.
Wie ich ausgebildet bin, ob ich in den Medien vorkomme oder nicht.

Genau diese Rahmenbedingungen sind es, die auch die Abhängigkeiten definieren - also reden wir die ganze Zeit von Abhängigkeiten und sehr wohl von einem wesentlich direkteren Verhältnis zwischen künstlerischer Produktion und Kulturpolitik.

D.K.: Friedensreich Hundertwasser meint, Politik und Staat haben sich nicht in die Kunst einzumischen.
Kunst bräuchte von öffentlicher Hand nicht gefördert zu werden, nur unabhängige Mäzene konnten etwas Bleibendes tun.

M.W.: Der Herr Hundertwasser mag in bestimmten Kreisen ein bedeutender Künstler sein.
Politisch, glaube ich, ist er ein sehr dummer Mensch. Was man sein darf als Künstler. Durchaus.

Er sieht überhaupt nicht die unterschiedlichen Bedingungen, die es in den einzelnen Ländern gibt. Bei uns hat man sich explizit auf ein anderes System (und zwar seit Monarchiezeiten) festgelegt: nämlich, dass es - über das steuerliche Umlageverfahren - der Staat ist, der die Mittel vergibt.

Da müsste man das System ganz grundsätzlich umstellen. Man müsste eine breitere Unternehmerschicht à la den Vereinigten Staaten oder England importieren, die dann auch in der Lage ist Kunst zu fördern.
Gleichzeitig müsste man auch die gesellschaftliche Ungleichheit, die in diesen Ländern noch wesentlich stärker ausgeprägt ist, in Kauf nehmen. Nämlich, dass es reiche Leute gibt, die sich Kunst und Kultur leisten können und die anderen, die dann mit der ganzen Kulturgeschichte überhaupt nichts zu tun haben.

D.K.: Hundertwasser gegenüber steht eine andere Extremposition von Christina Lugner, die massiv in das Kunstgeschehen eingreifen und zum Beispiel "Kinderschänder vom Burgtheater jagen" möchte.

M.W.: Ich denke, das ist die nächste Schwierigkeit - und ich weiß nicht, ob das ein österreichisches Spezifikum ist - dass moralische, ethische und ästhetische Fragen nicht auseinandergehalten werden können.

Das sehen wir in der Diskussion um Thomas Bernhard, dessen Texte immer wieder als politische gelesen werden. Was ich für ganz unsinnig halte. Das ist ein Autor und kein Politiker!


Danke für das Gespräch.


Wer ist Michael Wimmer?


(20.September 1999. Daniela Koweindl)

© wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com

zurück


Chefsache oder Ministerium?
Über das Ministerium
Über die Antworten der überlegenswerten KandidatInnen

Wer ist Michael Wimmer?

Wanted: KunstministerIn!