Weissbuch zur Reform der Kulturpolitik

"werde die Diskussion darüber weiterleiten..." (Wittmann)

Das Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik in Österreich ist fertig!
Eineinhalb Jahre haben Kunst- und Kulturschaffende unseres Landes daran gearbeitet, herausgekommen ist ein 216 Seiten starkes Werk. Es beschreibt den Istzustand, schlägt Veränderungsmaßnahmen vor und prophezeit die damit zu erreichenden Effekte.

Auftraggeber war das Bundeskanzleramt, das sich durch die gestellte Aufgabe seine eigenen KritikerInnen leistete und herausforderte. Ein eigens zusammengestelltes ExpertInnenteam sollte die wichtigsten Anliegen formulieren, ein Informationsbüro koordinierte die Kommunikation nach außen:
Im September 1998 entstand auf diesem Weg ein Diskussionsentwurf , der per Internet oder als bestellbares Druckexemplar allen Interessierten die Möglichkeit zu einschlägigen Anmerkungen und Ergänzungen bot. In österreichweit abgehaltenen Diskussionsveranstaltungen standen die ErstellerInnen des Weißbuchs direkt Rede und Antwort. Danach überarbeitete ein neunköpfiges Redaktionsteam die erste Version unter Berücksichtigung eingegangener Reaktionen. Am 19. Mai 1999 war es schließlich soweit: die beiden Endredakteure Gerhard Ruiss (Geschäftsführer der IG AutorInnen) und Wolfgang Zinggl (Bundeskurator für bildende Kunst) übergaben die Endfassung des ausgereiften Werks an Kunstkanzler Viktor Klima. "Jetzt ist das Weißbuch öffentlich", wie Staatssekretär Peter Wittmann verkündet, und soll jederfrau und -mann zugänglich sein. Zu diesem Zweck wird es ab Mitte Juni im Buchhandel (Falter-Verlag, ca. öS 190.-) erhältlich sein. Dann steht das Weißbuch auch im Internet zur Einsichtnahme bereit.

Die Arbeit der "Betroffenen" österreichischer Kulturpolitik ist damit vorerst erledigt. Nun sind die entscheidungsmächtigen PolitikerInnen am Zug, ihren Beitrag zu einer raschen Reform zu leisten. Und voller Tatendrang kündigte Staatssekretär Peter Wittmann bei der Pressepräsentation des Weißbuches gleich an: "mit der Umsetzung wird morgen begonnen". Wann aber genau welche Veränderung zu erwarten ist, sei noch nicht vorhersehbar. Von einem Journalisten mit dieser Frage konfrontiert, wurde Wittmann schon etwas kleinlaut, denn da wolle und könne er sich noch nicht festlegen.
Aber "das Papier habe längerfristig Gültigkeit", betont der Staatssekretär für Kunst und Sport - und spricht dann von einer Umsetzung "in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren...".

Als die Fragen noch konkreter wurden (zum Beispiel, wie mit der Forderung nach Zusammenlegung der Kunstuniversitäten "Angewandte" und "Bildende" umgegangen werde), ernteten die FragestellerInnen Allgemeinplätze, wie "ich werde die Diskussion darüber weiterleiten".

Trotzdem legt Wittmann schon jetzt einen Leistungsmaßstab für die zukünftige Regierung fest, denn deren Arbeit "kann an der Umsetzung des Weißbuchs gemessen werden". Er selbst werde einen Anfang setzen und den Reformkatalog der Regierung übergeben. Auch der LandeskulturreferentInnenkonferenz und dem Parlament wolle er das Weißbuch zur Kenntnis bringen. Im nächsten EU-Ministerrat sollen ebenfalls schon einige Anliegen eingebracht werden.




(01. Juni 1999. Daniela Koweindl)




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