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Schlag(er)kräftige Punkte-DiplomatieUnd sie huben an zu singen ... genau ein Jahr nach dem europäischen Beschluß einen gemeinsamen (europäischen) Markt ohne Zollgrenzen und eine gemeinsame Organisation zur friedlichen Nutzung der Atomenergie zu initiieren:
Die sowjetischen Besatzungstruppen zogen aus Deutschland ab, Walter A. Schwarz sang zum Dank und zur Song-Contest-Premiere "das Lied vom großen Glück". Sieben Länder á zwei Interpreten, ein Sieger und dreizehn zweitplazierte war die diplomatische Taktik des ersten Stimmband-strapazierenden Kräftemessens (Was sich bald ändern sollte). Die Schweiz agierte schon damals ökonomisch und schickte nur eine Interpretin (Lys Assia) mit zwei Songs - und gewann. Während Frankreich
eine eigene atomare Streitmacht ankündigte, zauberte es das entwaffnende Engelchen Jaqueline Boyer mit "Tom Billibi" aus dem Hut: So flötete sie ebenso lieblich wie erfolgreich um Sieg und Landesimage. Wenn´s brenzlig wird, reden alle über das Wetter: Europa,
das Jahr des deutschen Mauerbaus. Der April war Schweden eine Textzeile wert, wie der September den Belgiern, der Frühling den Franzosen und der Sommer den Norwegern. Deutschland unkte dabei ahnend "Einmal sehen wir uns wieder" und ließ Luxemburg den Sieg: Mit einem Liebeslied. Auch im Jahr darauf stand die Liebe auf dem Treppchen: Und wieder war es Frankreich, gleich nach dem Waffenstillstand mit Algerien. Europa dankt´s mit Höchstnoten. Mit dem Sieg für Großbritannien wurde Fräulein Sandie Shaw
belohnt: Sie demonstrierte ohne Schuhwerk und Sandalen kokett und gar nicht lady-like, was sie von Konventionen hielt. Und war damit fast weiter als wir heute: Schon vor 32 Jahren sagten die Vereinten Nationen der Diskriminierung von Frauen den Kampf an. Als die Uno
die Eliminierung aller Rassendiskriminierungen in Kraft setzte und sich die Woodstockler hippy-trippy in den Armen und am Herzen lagen, ließen sich die (ehemaligen) Kolonial-Monarchien nicht lange bitten: Spanien, die Niederlande, Großbritannien und Frankreich teilten sich (erst- und letztmals) den Siegerpokal. wollte auch Irland in die EWG und schmachtete gen Resteuropa "All kinds of everything remind me of you". Erfolgreich. Irland sollte noch viele Siege heimtragen (und 1972 Mitglied der Europäischen Union werden). Die ebenfalls englisch-singenden Maltesen hingegen warfen nach zwei völlig erfolglosen und einer dritten sehr mageren Song-Contest Teilnahme den Hut drauf und machte dann sechzehn Jahre lang nicht mehr mit. Zu einem politischen Schachzug ließ sich Grand-Prix-Land (mittlerweile auf 17 Nationen angewachsen)
hinreißen: Israel, als einziger Nicht-Europäer durfte mit ins Love-Boat. Und das nicht ohne Grund. Europa hatte seine liebe Not mit den arabischen Ländern und der Ölbeschaffung. Ein Verbündeter in Sachen Energie war dringend nötig. Als die Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel aufgenommen wurden und 1979 abgedealt waren, gab´s gleich noch zwei aufmunternde Siege, einen vierten erntete Israel für die Transsexuelle Diva Dana. Trotz fremdartiger Klänge war Israel selten wirklich schlecht plaziert: Danksagung auf Demokratisch. (23. Mai 1999. Sabine Schally) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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