[Guildo Horn/ Deutschland 1989]


[Sürpriz/Deutschland 1999]


[Bobbie Singer/ Österreich 1999]


[Bob Martin/ 1957 Österreich]

Grand Prix de la Chanson d´Eurovision. oder:

Punkte für Frieden und Vaterland

Es ist wieder soweit: 23 Sängerinnen und Sänger, Bands, Gruppen oder Combos aus 23 Ländern treffen sich (die-hiesmal ih-hin Jeru-hu-hu-salem), um für den musikalischen Sieg ihrer Heimatländer zu kämpfen. Scheußliche Schlager hin oder her... der Grand Prix de la Chanson d´Eurosvision hat einen interessanten doppelten Boden: Warum geben sich Österreich und Deutschland jeweils wenigstens Anstandspünktchen? Wieso ist Jerusalem eigentlich immer ganz gut plaziert aber nicht die Türkei? Was hat die Nicht-Teilnahme Griechenlands mit der Nato zu tun?

In Europa haben sie sich lieb...

So singen und tanzen und spielen sie denn, für Liebe, Gott und das Vaterland in einem geeinten Europa. Ein friedlicher Battleground der lustigen Musikanten - wer verliert fliegt raus. Aber erst neuerdings und (tröst) nur für ein Jahr - was verschmerzbar ist.
Wer gewinnt, muß den Zirkus beim nächsten Mal ausrichten. Die größere Strafe? Der taler-verjuxende Fremdenverkehr hält sich nämlich (anders als bei den Olympischen Spielen oder dem Kölner Karneval) in Grenzen: Schließlich sitzen rund 600 Millionen Menschen an diesem Abend vor der Glotze. Vor der eigenen. Denn: Wer sollte für das Im-Fernsehen-für-das-Fernsehen inszenierte Spektakel Land und Sofa verlassen?

Ein bißchen Patriotismus muß schon sein - so wie beim Fußball - und in gewissen Kreisen zum Bad-Taste-Feiertag erhoben, jährt sich das Schlagerfest heuer zum 44. Mal. Sie haben sich nämlich lieb, die Leute im Eurovisions-Land, darum singen sie miteinander. Un-er-müd-lich.
Und dennoch: Guildo Horns (D) Liebeserklärung im letzten Jahr in Birmingham quittierte der Daily Telegraph mit einem "der deutsche Bewerber war offensichtlich wahnsinnig". Schade eigentlich, da müssen die auf der Insel irgendwas mißverstanden haben.
Ein TV-Gesangsbewerb als Manifestation einer Nachkriegs-Make-Love-Not-War-Idylle ist doch schön.

... Deutschland singt für den Frieden...

Wie gerne erinnern wir uns bei dieser Gelegenheit an das Stimmchen des goldgelockten Fräuleinwunders der aufblühenden Achziger (Nicole), als es kurz nach Bekanntgabe der Produktion der Neutronenwaffe in den USA für ein bißchen Frieden auf ihrer Gitarre klimperte.

In diesem Jahr trällert der (türkisch-)deutsche Beitrag dreisprachig was von der Reise nach Jerusalem - vielleicht staunen die Juroren über so viel Multikulti im deutschen Lager (sind doch die türkischen Gäste in der Einwanderungsstatistik höchtplaziert) - wenn es sich bis zum 29. Mai 1999 nicht rumgesprochen hat, daß es sich dabei um ein echtes Versehen handelt: Die zunächst vom Volk nominierte Kandidatin (denn in Deutschland geht´s da ganz demokratisch zu) wurde grad wieder disqualifiziert - und weint. Ihr Song war schon 1997 veröffentlicht worden. Und das ist - so lauten die Spielregeln - verboten. Sürpriz.

Daß sich Ralf Siegel, der deutsche Song-Contest-Veteran damit selbst eines Plagiats schuldig macht, kann man ihm wohl nur schwer nachweisen: Österreich startete vor genau zwanzig Jahren beim Grand Prix in Israel mit "Heute in Jerusalem". Wenn das mal gut geht... Österreich wurde seinerzeit Vorletzter.

... und Österreich setzt ganz neutral auf die Liebe.

Heuer greift Bobbi Singer, die Kleine aus Wels, für "Reflektions in your eyes" in österreichische Saiten. Nicht-muttersprachliche Texte sind in diesem Jahr erstmals erlaubt - was die Völkerverständigung wohl noch weiter anglizieren wird, mit ihr machen zehn von 23 Teilnehmern von diesem Recht Gebrauch.

Und mit ihrem (Künstler)Namen erinnert uns die Bobbie an den überhaupt allerersten Wettbewerbs-Barden der Alpenrepublik (deren Grand Prix-Erfolg sich im hinteren Drittel mittelt): Bob Martin, der 1957 treuherzig fragte "Wohin, Kleines Pony" und schon damals auf dem stattlichen letzten Platz nach Hause ritt. Vergessen wir also "nomen est omen" und sind so endlich da angekommen wo wir hinwollten:

Dort, wo alles begann.





(23. Mai 1999. Sabine Schally)

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