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Franz Morak, ÖVP

15.9.99 / 21.44 Uhr

1. Was wären Ihre wichtigsten Anliegen, für die Sie sich von der ersten Stunde an stark machen würden, bzw. was wäre Ihre allererste Amtshandlung?

Ich würde eine neue Zeitökonomie einführen: vieles in der österreichischen Kulturpolitik liegt ohnedies im Konsens, braucht keinen "politischen Willen" und kann den Beamten überlassen werden.
Ich lasse mir meinen Begriff von kulturpolitischer Verantwortung nicht von den Medien und dem Herrn Haider mit deren Lust an der Skandalisierung von Kultur vorgeben.
Kulturpolitische Verantwortung heißt für mich, fördernd und organisierend mitzuhelfen, daß unsere kreative Intelligenz sich im internationalen Wettbewerb optimal positionieren kann. Ich würde mich also den bisher sträflich vernachlässigten Bereichen zuwenden, der Architektur, dem Design, dem Film und dem gigantischen kulturellen Komplex, der mit den Neuen Medien verbunden ist.


2. Welche Rolle sollte Kunst in unserer Gesellschaft spielen? In welche Bereiche würden Sie besonders investieren, um Ihr Ziel zu erreichen?


Kunst ist ein fundamentales Bedürfnis der Menschen; was den Urmenschen angetrieben hat, Kunstwerke auf Felswände zu malen, wird auch den Menschen des 21. Jahrhunderts antreiben.
Das Leben braucht die Kunst, als Bewältigungsstrategie, als Experimentierfeld der Phantasie, als Fluchtpunkt aber auch als ablenkende Unterhaltung. Jede Investition soll mithelfen, der österreichischen Kunst jene Weltgeltung wieder zu verschaffen, die sie einmal hatte, und in den letzten Jahrzehnten Schritt für Schritt verspielt hat.


3. Stichwort: "Weißbuch" - wo liegen die Notwendigkeiten und Grenzen der Politik ins Kunstgeschehen bzw. dessen Rahmenbedingungen einzugreifen?


Das "Weißbuch" halte ich für ein eher blamables Projekt. Wenn - wie das der Sektionschef Mailath-Pokorny formuliert hat - einem Regierungsmitglied nicht mehr einfällt, als das populistische "Cetereum Censeo" - "Mehr Geld", dann ist das ein ungeheurer Mangel an Phantasie und Kompetenz; im übrigen habe ich bis heute nicht gelesen, daß der Finanzminister einen Scheck für den Wittmannschen Selbstbedienungsladen ausgestellt hat.
Ich würde auf jeden Fall auf eine Entpolitisierung des Förderungswesens dringen und jede Förderung einer Evaluierung unterziehen.


4. Glauben Sie, daß es eine gute Entscheidung war, von der Kunst als "Chefsache" abzukehren und ein eigenes Ministerium einzurichten? Warum?


Die Frage, ob es eine gute Entscheidung war, ein eigenes Kunstministerium einzurichten, kann ich nicht beantworten, weil ich diese Entscheidung nicht kenne.
Ich denke, daß Peter Wittmann hier über das Fell eines Bären verfügt, den er noch im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen schießen muß.


5. Mit welcher Kunst würden Sie sich in Ihrem Büro umgeben wollen?


Mein persönlicher Lieblingsmaler ist Franz Ringel, aber ich würde gerne - nach dem Vorbild von Viktor Matejka - mein Büro in eine permanente Ausstellung lebender österreichischer MalerInnen umfunktionieren.
Matejka ist ja als Wiener Kulturstadtrat so weit gegangen, daß er Besucher zum Kauf der Bilder animierte.


Franz Morak
Abgeordneter zum Nationalrat, ÖVP-Kutursprecher





(16. September 1999. DK/sab/SL)

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