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Heide Schmidt, LIF

14.7.99 / 14.59 Uhr

1. Was wären Ihre wichtigsten Anliegen, für die Sie sich von der ersten Stunde an stark machen würden, bzw. was wäre Ihre allererste Amtshandlung?

Meine allererste Amtshandlung wäre wohl die Organisation eines großen Informationsfestes. Alle an Kunst und Kultur interessierten Österreicherinnen und Österreicher - und selbstverständlich alle Kunstschaffenden - wären eingeladen, daran teilzunehmen, um einerseits mich und meine MitarbeiterInnen einmal aus nächster Nähe kennenzulernen und damit ich andererseits von den Wünschen und Bedürfnissen der Kunstschaffenden und der - rezipientInnen noch detaillierter als bisher erfahre.

Der erste Arbeitsschwerpunkt wäre sicherlich die Realisierung einer Künstlersozialversicherung. Später würde ich mich dann u. a. sehr intensiv mit der Frage der Errichtung von Kunst- und Kulturstiftungen beschäftigen, den Stellenwert der Kulturvermittlung noch erhöhen und mich auf die Schwerpunkte Tanz, Neue Medien und Kinderkultur konzentrieren.

2. Welche Rolle sollte Kunst in unserer Gesellschaft spielen? In welche Bereiche würden Sie besonders investieren, um Ihr Ziel zu erreichen?

Es ist mir bereits seit Jahren - vor allem in meiner Funktion als Vorsitzende des parlamentarischen Kulturausschusses - ein wichtiges Anliegen, klarzumachen, daß Kunst und Kultur kein Minderheitenprogramm darstellt, sondern ein elementarer Baustein für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ist. Kunst ist für mich modellhafte Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und insofern von öffentlichem Interesse.

Dieses öffentliche Interesse rechtfertigt auch den Anspruch der Künste auf öffentliche Förderung. Die Förderung der Künste darf daher nicht aus kulturellen "Konsuminteressen" bestimmter gesellschaftlicher Gruppen abgeleitet oder an deren Maßstäben orientiert werden.

Daraus ergibt sich für mich folgende zentrale Anliegen liberaler Kulturpolitik: es gilt einerseits, dem kreativen Handeln des Einzelnen Freiraum zu sichern, andererseits aber auch kulturelle Initiativen zu unterstützen, die die Sensibilität der BürgerInnen für die Anliegen und Ausdrucksformen im Rahmen selbstgewählter Gemeinschaften verstärken.

Kulturpolitik muß dazu beitragen, daß kulturelle Barrieren zwischen gesellschaftlichen Teilbereichen abgebaut werden und die BürgerInnen die Ausdrucksformen anderer nicht nur tolerieren, sondern auch verstehen lernen.

3. Stichwort: "Weißbuch" - wo liegen die Notwendigkeiten und Grenzen der Politik ins Kunstgeschehen bzw. dessen Rahmenbedingungen einzugreifen?

Ins Kunstgeschehen, wie sie dies formulieren, sollte die Politik in keinster Weise eingreifen. Die Politik hat ausschließlich dafür Sorge zu tragen, daß die möglichst idealsten Rahmenbedingungen für die Kunstschaffenden entwickelt werden. Dazu gehört natürlich in erster Linie die Bereitstellung finanzieller Mittel, um die Produktion von Kunst überhaupt erst möglich zu machen. Weitere wichtige Bausteine wären z. B. die Vernetzung möglichst aller Kunst- und Kultureinrichtungen, der Aufbau eines eigenen Kulturnetzwerkes im Internet oder die soziale Absicherung der Kunstschaffenden.

4. Glauben Sie, daß es eine gute Entscheidung war, von der Kunst als "Chefsache" abzukehren und ein eigenes Ministerium einzurichten? Warum?

Ich habe mich nach der Regierungsumbildung im Jänner 1997 umgehend gegen das Konstrukt "Chefsache Kunst" ausgesprochen. Der zentralste Punkt, warum ich nach wie vor davon überzeugt bin, daß dieses Projekt von vorn herein zum Scheitern verurteilt war, ist, daß StaatssekretärInnen kein Stimmrecht im Ministerrat haben. Sie können daher nicht einmal versuchen zu verhindern, was gegen die Interessen der von ihnen Vertretenen verstoßt. Und etwas durchzusetzen ist für StaatssekretärInnen ebenso schwierig, denn sie tragen ja keine richtige Verantwortung: StaatssekretärInnen haben keine MinisterInnenverantwortlichkeit mit all den daraus resultierenden politischen Konsequenzen.

Wie unernst es Bundeskanzler Klima mit der "Chefsache Kunst" war bzw. ist, zeigt u. a. die Tatsache, daß er nicht ein einziges Mal an den Sitzungen des parlamentarischen Kulturausschusses teilgenommen hat oder mit den ParlamentarierInnen anläßlich einer Kunst- und Kulturdebatte im Plenum des Nationalrates in einen kulturpolitischen Diskurs getreten ist. Er schickte ausnahmslos seinen Staatssekretär zu diesen Sitzungen, obwohl er wiederholt aufgefordert wurde, persönlich daran teilzunehmen.

5. Mit welcher Kunst würden Sie sich in Ihrem Büro umgeben wollen?

Ich habe seit Jahren drei großartige Bilder von Markus Prachensky in meinem Büro hängen. Diese würde ich selbstverständlich - sollte ich umziehen - mitnehmen und in meinen neuen Arbeitsräumen wieder aufhängen. Weiters würde ich die Arthothek besuchen, um noch einige Arbeiten von sehr jungen österreichischen KünstlerInnen - wie z. B. Ilse Haider - auszusuchen.









(15. Juli 1999. DK/sab/SL)

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