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Friedensreich Hundertwasser19.7.99 / 11.02 Uhr13. Juli 1999, Neuseeland, Null Grad Was wären ihre wichtigsten Anliegen, für die Sie sich von der ersten Stunde an stark machen würden, bzw. was wäre ihre allererste Amtshandlung? Frage 1- 4 : Gewährleisten, daß die Kunst wieder auf zwei Beinen steht: Gleichberechtigung der Kunst, die weh tut und der Kunst, die die Gegenliebe der Menschen findet, mit allen ihren uneingeschränkten Randerscheinungen. - die intellektuelle dogmatische Avantgarde uneingeschränkt in ihren Auswirkungen bis hin zu Pornographie und Brutalität und die Vermischung mit anderen Medien einerseits - und die Kunst, die Freude bereitet und erbaut, ebenfalls uneingeschränkt in ihren Auswirkungen bis hin zu Traditionsgebundenheit, Sonntagsmalerei und Kitsch andererseits. Beide Richtungen dürfen sich nicht gegenseitig ausschließen, wie z.B. die faschistische Kunst, der sozialistische Realismus ebenso wie die jetzige dogmatische L'art pour l´art zeitweilig ,,IN" ist. Es muß Toleranz herrschen für das Andere. Es darf auch keine Entweder-Oder-Stellungen geben, sondern die Übergänge müssen fließend sein. Politik und Staat haben sich in die Kunst nicht einzumischen. Kunst muß in Ruhe gelassen und braucht nicht gefördert zu werden. Offizielle Kulturobrigkeiten sind immer der jeweiligen zeitlich und ideell begrenzten kulturpolitisch-gesellschaftlichen Mode hörig, die sich revolutionär avantgardistisch und omnipotent dünkt. Das war um l900 genauso wie heute. Ob Kunstministeriurn oder Ministerium für Kultur oder "Chefsache Kunst", ist so belanglos und zwecklos, wie wenn der Wetterbericht sich anmaßt, auf das Wetter Einfluß nehmen zu können. Die Schieles, Schuberts, van Goghs, Kubins, Rembrandts und die lange Liste faktisch aller großen Meister und Kunstströmungen werden und wurden von den zuständigen zeitgenössischen Kulturinstitutionen sowieso ignoriert. Nur ephemere Mitläufer und Möchtegern-Genies und Insider--Sachverständige profitieren von öffentlichen Förderungen, solange der Trend andauert. Wo sind die von offlziellen institutionell geförderten Künste von 1900, l930, 1950 etc.? Vergessen, belächelt, alle Mühe, bezahlt mit öffentlichen Geldern, umsonst. Dasselbe gilt für heute. Nur subjektiv urteilende, unabhängige Mäzene konnten etwas Bleibendes tun: Einige Mogule, Industriekapitäne, Könige, Päpste, Rothschilds, einige Diktatoren. Ein Kulturminister, falls man einen haben will, kann, soll und darf nichts tun außer die Gesamtkunst zu verwalten, zu administrieren und die Verantwortung dafür zu tragen, daß die Kultur nicht von dem einen oder dem anderen extrem usurpiert wird. Dies gilt für alle Künste. Zu Ihrer letzten Frage Nr.5: Ich würde mich nie mit Kunst umgeben, die mir angeraten wird, sondern mit solcher, die mich ganz persönlich bewegt. (Juli 1999. DK/sab/SL) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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