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Madeleine Petrovic, Grüne6.7.99 / 11.25 Uhr1. Was wären Ihre wichtigsten Anliegen, für die Sie sich von der ersten Stunde an stark machen würden, bzw. was wäre Ihre allererste Amtshandlung? Die Einführung der Künstlersozialversicherung, denn eine soziale Mindestabsicherung ist eine wichtige und notwendige Voraussetzung, damit KünstlerInnen in Ruhe ihrer künstlerischen Tätigkeit nachgehen können. Die Regierung hat schon vor 21 Jahren einen ersten Entwurf präsentiert, war aber bisher offenbar nicht willens, die Künstlersozialversicherungumzusetzen. Außerdem muß das Kunstbudget innerhalb kürzester Zeit auf 2 Milliarden (ohne Bundestheater und Bundesmuseen) angehoben werden, denn seit fünf Jahren gab es keine Budgetsteigerung mehr. 2. Welche Rolle sollte Kunst in unserer Gesellschaft spielen? In welche Bereiche würden Sie besonders investieren, um Ihr Ziel zu erreichen? Kunst hat in einer Gesellschaft vielfältige Rollen. Sie kann gesellschaftspolitische Anliegen transportieren wollen, sie kann einfach Kunst sein wollen, sie kann unterhalten wollen, sie kann aber auch nur eine Kompensation für andere gesellschaftliche Defizite sein wollen, ohne Anspruch auf Gesellschaftsveränderung. Diese mit wenigen Beispielen angedeutete Vielfalt von Kunst sollte von der Politik nicht leichtfertig eingeschränkt werden, da die Freiheit der Kunst ein gesellschaftliche besonders wertvolles Gut ist. Eine Vorschreibung seitens einer politischen Partei, wie Kunst zu sein hat, lehnen die Grünen ab, da dies einer Einschränkung gleichkommen würde. Die Grünen würden aber besonders zeitgenössische Kunst stärker gefördert sehen wollen und dabei einen Schwerpunkt bei der Förderung von Kunst mit gesellschaftspolitischem Anliegen setzen. Kunst, die provoziert, Kunst, die gesellschaftliche Veränderungen evoziert, sollte also jedenfalls stärker gefördert werden. 3. Stichwort: "Weißbuch" - wo liegen die Notwendigkeiten und Grenzen der Politik ins Kunstgeschehen bzw. dessen Rahmenbedingungen einzugreifen? Der Inhalt des Weißbuches ist durchaus positiv zu beurteilen. Die Gefahr ist allerdings, daß es eine bloße Beschäftigungstherapie für KünstlerInnen und KünstlerInnenverbände war, da die Regierung wenig Bereitschaft zeigt, etwas konkret umzusetzen. Kulturpolitik muß vor allem dafür sorgen, daß es eine möglichst große Vielfalt an Kunst gibt. Kulturpolitik ist in diesem Sinne auch Demokratiepolitik, denn die Förderung von Kunst ist implizit auch eine Förderung der Redefreiheit. In einem so stark von josephinischen Traditionen (Aufklärung von oben) geprägten Land, müssen Initiativen, die aus der Gesellschaft kommen, besonders gefördert werden. Trotz der Forderung nach Vielfalt sollen die Parteien, wie in jedem anderen Politikbereich auch, ihre Schwerpunkte nennen. Für die Grünen ist das die Förderung der zeitgenössischen und dabei insbesondere der gesellschaftspolitisch engagierten Kunst. Einen direkten Eingriff in das Kunstgeschehen lehnen die Grünen aber ab, insbesondere die Definition dessen, was Kunst ist, kann nicht die Aufgabe der Politik sein. 4. Glauben Sie, daß es eine gute Entscheidung war, von der Kunst als "Chefsache" abzukehren und ein eigenes Ministerium einzurichten? Warum? Prinzipiell wäre die Einrichtung eines eigenen Kunstministeriums, in dem alle Kulturagenden vereint sind, zu begrüßen. Sinnvoll könnte aber sein, dieses Ressort nicht als reines Kunstressort zu führen, sondern etwa in Kombination mit Wissenschaft oder Medien, weil sich dadurch durchaus sinnvolle Synergien ergeben könnten. 5. Mit welcher Kunst würden Sie sich in Ihrem Büro umgeben wollen? Der private Kunstgeschmack eines Politikers oder einer Politikerin sollte nicht maßgebend sein, daher entschlage ich mich einer Antwort. (15. Juli 1999. DK/sab/SL) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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