[Foto: Van Gogh TV]




[Foto: Worlds Within]




[Foto: Worlds Within]

"TV is too linked to power and systems of control"


Gegen die Macht der Broadcast-Hierarchien, gegen die Einschränkungen durch Software-Vorgaben und gegen unreflektierten Umgang mit den Dingen. Für Provokation, Interaktion und Anarchie.
Könnte ein ordentlicher Haudegen gewesen sein, der Neue - wenn er´s nur noch ist...

Karel Dudesek, Jahrgang 1954, ist Ex-Performance-Künstler, TV-Aktionist und Netzwerk-Projekt-Manager.

Mitte der siebziger Jahre transportierte er mit "Minus Delta T" während der Ölkrise ein Faß Rohöl nach Bagdad. Anschließend reisten die Künstler mit US-amerikanischen-Armee-Uniformen per Autostopp nach Polen. Minus Delta T agierte im öffentlichen Raum, wollte die gewohnten Sichtweisen auf bekannte Dinge stören und stand in bester aktionistischer Tradition.

Später wechselten Dudesek et al. aus dem öffentlichen Raum in den virtuellen:
Die Medien als gesellschaftsverändernde Faktoren wurden zum zentralen Ansatzpunkt für ihre Kunst. Ab 1985 diente ein Gelenk-Omnibus als mobiles Medienlabor und unter dem Label "Ponton" entstand u.a. das Interaktive Fernseh-Projekt "Van Gogh TV". Auf der documenta 1992 realisierte Dudesek mit Van Gogh TV 100 Tage lang interaktives Fernseh-Programm:
"Piazza Virtuale" (2,5 Millionen DM schwer) war eine Kombination aus Telefon, Fax, Mailbox, Live-Kameras an öffentlichen Orten, Steuerung von Computerspielen über Touch-Tone, Telefon u.a.
"The public breaks the power of the broadcaster, the viewers make programmes themselves, television will become accessable for everyone who has something to say.", erklärte Dudesek seine Motivation in einem Spiegel-Interview.

"Worlds Within" für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta war das bisher größte Dudesek´sche Projekt. World Within ist ein grafisch umgesetzter Chat-Room.

Heute sind grafische Chat- oder Talk-Foren nicht mehr sehr ungewöhnlich. Der Ansatz zur mehrschichtigen Online-Kommunikation aber birgt ungleich mehr Potential als der des interaktiven Fernsehens.

Fraglos: Bestimmte Tendenzen entlang der Idee des interaktiven Fernsehens entwickeln sich weiter: Das Wiener TIV zum Beispiel nähert sich dem Trend eines von Usern gestalteten Programm. Das TV-Projekt "evosonic" plant eine massive Verquickung von Online-Kommunikation und Broadcasting.
Die Verschmelzung der Medien aber ist der praktikablere Ansatz, als einem spezifischen Medium Eigenschaften abzutrotzen, für die es tatsächlich nicht konfiguriert ist.

Dudesek wurde 1993 im wired zitiert: "Our major goal was live interaction; to break through the barrier of the screen; to downgrade TV from a master medium into just one window onto a space". Inzwischen sind sechs jahre vergangen, jüngere Nachrichten über Dudesek sind rar.
Bleibt also nur zu hoffen, daß er sich inzwischen noch was neues ausgedacht hat.



Sag, wie hälst Du´s mit der Kunst?

"If artists are not participating in the developments of digital infrastructures they will be left completely out. Media art doesn't stop by putting up a video installation or slide shows or by making web sites . . . however advanced they are. We have to rethink the whole issue of using digital equipment, digital structures, communications networks, machines, all kinds of these apparatus, which are in fact, extensions of our bodies. Up to where are all these things leading us? How effective are they and can we can use it?" Karel Dudesek, 1993



(15. Mai 1999. Sabine Schally)



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