High Art
Es geht um Kunst. Um die Suche. Um Sex . Um Drogen. Um Realität.
Kunst gleich: Fotografie.
Syd (Radha Mitchell), die Redakteurin eines Fotomagazins trifft auf die zurückgezogen/abgehoben lebende Fotografin Lucy (Ally Sheedy! Wo bist du gewesen?!) und bei der Überschneidung ihrer beider Welten zerstören sie alte, öffnen sich aber auch gegenseitig Einblicke in neue, mehr oder weniger reizvolle Gebiete.
Die reizvolle Geliebte von Lucy mit dem typisch deutschen Namen Greta (Patricia Clarkson, was für eine Stimme!) ist davon ebensowenig angetan wie Syds Freund James (Gabriel Mann; der kann noch Bunt- von Feinwäsche unterscheiden. Interessiert hier nur keinen.)
Die Suche gleich: Erfolg.
Syd will Karriere machen.Ihr Interesse an Kunst ist rein kommerziell.
Lucy kann den gesellschaftlichen Druck, der mit der Vermarktung ihrer Kunst zusammenhängt, nicht ertragen.
Dennoch bedingt Syds Erfolg eine Veröffentlichung von Lucys Fotos in ihrem Magazin. Syd ist hingerissen von Lucy, sowohl als Künstlerin, als auch als Frau.
Der Sex gleich: Verbotene Früchte.
Laut der Regisseurin sollen die Sexszenen ja absichtlich nicht perfekt sein, eher menschlich. Hier geht es um Ausprobieren (Syd verknallt sich in Lucy, welche es aber von anfang an auf sie abgesehen hat), um Erforschen, um Vielschichtigkeit von Gefühlen. Daß man als Zuseher dabei eher distanziert bleibt als bei diesen sonst oberschwülstigen, mit 1001 Atmer und Schmatzgeräuschen belegten Liebesszenen in gängigen Hollywoodschnulzen, hat mich schon verblüfft.
Und Desinteresse kann hier nicht der Grund gewesen sein.
Ich erinnere mich da gerne an "The Big Easy"(1986) mit Ellen Barkin und Dennis Quaid, die sich auch nicht grade wahnsinnig elegant und schick -dennoch hocherotisch- lieben, aber Regisseur Jim McBride dazu sagte:"Wir wollen Unbeholfenheit beim Sex zeigen."
Und das kommt dann auch verdammt aufregend rüber.
Drogen gleich: Alle Künstler fliegen hoooch!
So wie in diesem Film stellt sich unsereins die Künstlerszene vor. So ist sie dann auch. Ob moralisch oder nicht, Fakt ist, daß Drogen nun mal nicht als Hauptnahrungsmittel geeignet sind bzw deutlich lebensverkürzende Wirkung haben. Aber welcher Künstler will schon älter als 30 werden? Hey, es geht immerhin um Kunst! Nicht um Gesundheit, Philosophie oder Alltag.
Realität gleich: es gibt nicht immer ein happy end.
Wenn man so richtig schlecht drauf ist, trägt dieser Film immernoch dazu bei, daß man sich noch schlechter fühlt.Und hier ist sie: Die Verbindung zur Realität.
Regisseurin Lisa Chodolenko erzählt bildintensiv und unprätentiös die Geschichte einer Begegnung. Dabei sind sowohl die sexuellen Präferenzen als auch die Lebensumstände von Syd und Lucy sehr unterschiedlich. Lisa Chodolenko ist auch für das Drehbuch verantwortlich. Sie beschreibt eine Künstlerszene, wie sie sie aus eigener Erfahrung erlebt hat.Die Fotos in dem Film erinnern an Nan Goldin und Jack Pierson (persönliche Fotografie in Verbindung mit der Drogen-Subkultur).
Es ist interessant und offensichtlich, was sie daran abgeschreckt, und was sie fasziniert hat.
Alles in allem ein schön fotografierter,leiser,gelungener Film.
(Miryam Neu, 1.9.99)
Filmdaten:
High Art
USA,1998
Regie und Drehbuch: Lisa Cholodenko
Kamera: Tami Reiker
Produktion: Dolly Hall, Jeff Levy-Hinte
Musik: Shudder to think
Fotografie "Lucy Berliner": JoJo Wilden
Fotografie "Dieter's Portofolio": Lauren Sorokin
Darsteller:
Ally Sheedy, Radha Mitchell, Patricia Clarkson, Gabriel Mann, Bill Sage, Anh Duong, Tammy Grimes, David Thornton, Rudolf Martin
Länge: 101 Minuten
Verleih: Arsenal Filmverleih
Wienstart: 3.9.1999
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