DIEU SEUL ME VOIT

Mögen Sie Woody Allen? Dann mögen Sie auch diesen frischen Franzosen. Wer dagegen auf plumpe Hau-drauf-Komödien steht, sollte diesen Film nicht anschauen.

Albert ist kein Held. Er sieht nicht besonders gut aus, er ist unruhig, bemüht, er hat nichts am Konto und er denkt viel zu viel. Und er zaudert.
Dennoch bekommt er im Film alle Frauen. Wo ist da der Bezug zur Realität?

Mit vielen skurrilen, kindlich-märchenhaften Szenen ist Albert (Denis Podalydes- ja, der Bruder des Regisseurs) auf der Suche nach der Traumfrau. Und dabei bleibt er stets in Bewegung.
Dabei wird er politisch (er geht auf eine Demo, um eine Frau wiederzusehen), er spendet Blut (weil ihn die Krankenschwester reizt), er wettet beim Fussball (weil als Belohnung ein Kuss winkt).
Besonders erheiternd, eklig und unvergesslich scheint mir die (aus dem Leben des Regisseurs entstammende) körperliche Störung unseres Helden, der sich im Zustand äussester Verliebtheit immer übergeben muss. Mahlzeit.

Es scheint schwierig, einen Menschen wie Albert zu mögen, der so haltlos, unerotisch, konfliktscheu, so grüblerisch und mit sich und er Welt so im Unreinen zu sein scheint.
Dennoch, der Versuch lohnt sich, denn unterhalten wird man vom Feinsten.

Der Regisseur, Bruno Podalydes, steht, wie er sagt, auf Details, die sich nicht miteinander vertragen, er hinterfragt die Motive seiner Charaktäre nicht und belegt es damit, daß er dem Zuschauer die Möglichkeit lassen möchte, seinen eigenen Grund zu finden.

Gut, betrachtet man den Film als Komödie, kommt man auf seine Kosten.
Besonders, wenn man Humor im Stil von Woody Allen mag (und eben doch anders, eben- französischer), wo Mitdenken sich noch lohnt.

Anders als bei unseren amerikanischen Freunden nimmt sich der Europäische Film ja immer viel mehr vor. Intellektueller, geistreicher, lyrisch-emotionaler (Poesie statt Pudern) usw.
Schön und gut. Aber sind wir nicht vom main streamigen Kommerz-Kino dermassen vorbelastet und weichgekocht, daß uns die Fähigkeit am Mitdenken, die Lust zu Kauen vergangen ist?
Wer weiss schon, was eine Grossaufnahme ist, wer empfindet eine Halbtotale mit Profil und Frontalansicht als Godard-Zitat?

Bruno Podalydes wollte einen Film machen, "...in dem man die Zeit der anderen fühlt und akzeptiert". Fragt sich nur, ob man als Zuseher auch Lust dazu hat.

(Miryam Neu, 1.9.99)


Filmdaten:

Dieu seul me voit

Frankreich, 1998
Regie und Drehbuch: Bruno Podalydes
Kamera: Pierre Stoeber
Produktion: Why Not Produktions
Produktionsleitung: Martine Cassinelli, Anne Defourne

Darsteller: Dennis Podalydes, Jeanne Balibar, Isabelle Candelier, Cecile Bouillot, Jean-Noel Broete´, Michel Vuillermoz, Philippe Uchan

Länge: 120 Minuten
Verleih: Polyfilm Verleih
Wienstart: 17. 9.1999

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