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Toulouse-LautrecAus heiterem Himmel hat sich Roger Planchon entschlossen eine Filmbiographie über Henri de Toulouse-Lautrec zu machen. Weder ein rundes Todes- noch ein Geburtstagsjubiläum des Malers sei ein Anlaß gewesen. Aber - seien wir ehrlich - fällig war es schon längst; Van Goghs, Picassos, etc. exzentrische Leben wurden bereits verfilmt. Für die Interessierten, eine kurze kunstgeschichtliche Nachhilfe in Sachen Henri de Toulouse-Lautrec: Gleichzeitig ein Inhaltsabriß des Films: Lautrec kam 1864 in Albi (Südfrankreich - heute ein Lautrec-Museum) zur Welt. Seine Eltern - übrigens Cousine und Cousin - erkannten schon sehr früh seine künstlerische Begabung und förderten diese, denn Geld war ja genug da. Vermutlich aufgrund der nahen Verwandtschaft der Eltern leidet Henri an einer unheilbaren Knochenkrankheit, die sein Leben sehr prägte, ihn aber nicht verbitterte sondern sehr heiter-ironisch werden ließ (das will uns jedenfalls Regisseur Roger Planchon weismachen). Henri beginnt in Paris Malerei zu studieren, distanziert sich später (um 1885) von den starren Ansichten der Akademie und nähert sich dem Impressionismus um sich dann wieder zwecks eigenem, naturalistischem Stil davon wieder zu distanzieren. Henri hat eine wilde Liebesgeschichte mit der Malerin Suzanne Valadon (Elsa Zylberstein). Henri ist befreundet mit Vincent Van Gogh und ist nach dessen Selbstmord total fertig. Henri treibt sich immer mehr im Montmartre-Viertel und in Bordellen herum. Henri beginnt immer mehr zu trinken. Henri ist gut, aber nicht erfolgreich. Henri bekommt endlich die verdiente Anerkennung durch sein Werbeplakat für das Moulin Rouge - er ist einer der ersten, die Werbung und Kunst miteinander kombinieren. Henri erkrankt an Syphilis. Henri kommt ins Irrenhaus und wieder heraus. Henris Mutter kommt aus dem Beten nicht mehr heraus und sein Vater nicht mehr aus den Bordellen. Henri stirbt 1901. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Nichts gegen Lautrec. Aber: Regisseur und Drehbuchautor Roger Planchon will so viel wie nur möglich von Lautrecs Leben in 124 Minuten packen. Das Scheitern ist vorprogrammiert, weil er nur oberflächliche Anekdötchen und biographische Fragmente aneinanderreihen kann, und das auch noch völlig unmotiviert. Als Zuschauer glaubt man sich inmitten einer temporeichen Vorstellung auf einer Simultanbühne zu befinden. Nur ein Augenzwinkern genügt, um an einem anderen Ereignis teilzunehmen. Auf den ersten Blick wirkt der Film dadurch sehr spritzig und kurzweilig, weil ständig irgendwas passiert, man hat aber nichts davon. Es bleibt nicht sehr viel übrig, wenn man das Kino verläßt. Régis Royer spielt einen Henri de Toulouse-Lautrec mit nicht besonders vielen Facetten (außerdem ist seine deutsche Synchronstimme nicht auszuhalten! - zur deutschen Fassung später noch mehr...). Anémone in der Rolle seiner Mutter ist nicht besonders aufregend. Im Gegensatz dazu zeigen Elsa Zylberstein als Suzanne Valadon und Claude Rich als sympathischer Vater von Henri und Bonvivant was sie können (wenn der Regisseur sie läßt). Angenehm ist die sehr farbenfrohe, aber doch dezente Kamera von Gérard Simon. Regisseur Roger Planchon steckte - meiner Meinung nach - bei der Inszenierung in einem Dilemma: Einerseits hat er die Figuren und deren Spiel so weit überhöht/outriert (so als würden sie auch für die letzte Reihe in einem Freilufttheater spielen), um für den Zuschauer als "normal" zu gelten. Andererseits sind sie dann doch wieder zu wenig outriert um einer künstlerischen Stilisierung bzw. Interpretation gerecht zu werden, was aber durchaus zu Lautrec und dem "CanCan-Umfeld" (=Belle Époque) in dem er lebte, passen würde. Der Film schwebt im Vakuum dieses Dilemmas. ABER: (August 1999/ Roland Rainer) Filmdaten:
Toulouse-Lautrec Régis Royer Elsa Zylberstein Anémone Claude Rich Verleih (Ö): Wienstart: 13. 8. 1999 © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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