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Wild Wild WestAlso anspruchsvolles, realistisches, geschichtsgetreues Kino würde ich mir nicht erwarten, bei dem neuen Film mit Will Smith. Ich bin ja überhaupt der Überzeugung, das der gute Will bald sein Verfallsdatum erreicht hat. Denn wer so eitel über die Leinwand schreitet, stolpert bald. Das Ich-schau-mir-selbst-beim-schauspielen-zu Verhalten hat einst Eddie Murphy in eine Schlucht gestürzt aus der er bis heute nicht mehr rausgekommen ist und auch die narzissenhafte Karriere von Tom Cruise (der "Gewinnertyp" ist mit den Achzigern untergegangen) oft gefährdet. Und auf den baldigen Untergang von Gwyneth Paltrow freu nicht nur ich mich. Smith spielt den Cowboy (Ranger oder Colonel?, ein 19Jh.-Äquivalent zum Bullen halt) James West, der mit seinem Partner Gordon (Kevin Kline) dem verrückten Genie Loveless (Kenneth Branagh) auf die Schliche kommt, der gerade den Präsidenten (ebenfalls Kline!) ermorden möchte. So wenig kann Handlung sein. Der Film braucht aber jede Menge Platz für Effekte, Pyrotechnik und so weiter. Hollywood von seiner besten Seite. Wenn mit den Effekten mal Pause ist, fangen die Sprüche an und so weiter. Dabei waren, selbst trotz der dünnen Handlung gleich mehrere Autoren am Werk. Und das merkt man. So viele Kniffe können einem Menschen, oder zumindest einem Hollywood- Autor, alleine gar nicht einfallen. Dabei spielen natürlich das Musikvideo von Will Smith und der Trailer zum Film eine wichtige Rolle. Beide sind perfekt inszeniert, was bei der Musik von Will Smith wahrlich nicht so leicht ist, und machen Lust auf mehr. Und der Film hält das auch noch durch. Jede Rolle ist gut besetzt: Salma Hayek kommt nur kurz vor, zeigt aber dabei genug Busen und Hintern für den Rest des Films. Kline gibt den trockenen siegessicheren zweiten Komiker, der Smith´s Ablaufdatum erspäht haben zu scheint. Der König dieses Ensembles ist aber zweifellos Kenneth Branagh: Wahnsinn! Gebt diesem Mann egal was. Von Shakespeare bis "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten". Dieser Mann füllt jede Leinwand mit seiner Präsenz. Man sieht den Beteiligten geradezu den Spaß an dem Film an, in dem Regisseur Barry Sonnenfeld mit seinem Tim-Burton-für-Brave-Stil sogar einen Schwarzen als Cowboy Glaubhaftigkeit verleiht. Dabei wirkt alles so wie den Büchern von Jules Verne entsprungen (bis auf Smith´s Gesang natürlich). Sehr nett. In dem Film ist das wirklich nicht unglaublich, nachdem unsere Helden im 19Jh. auch Sonnenbrillen besitzen und eine mechanische Riesenspinne (die heißt "Tarantula", sagt das Presseheft, wäre ich nie dahintergekommen) `rumläuft, glaub´ ich alles. Sogar der amerikanische Bürgerkrieg wird als Hintergrund verwurschtet um Loveless´ Pläne und Ideologie zu erklären. Wer jetzt noch zweifelt, der sollte sich WILD WILD WEST trotzdem ansehen. Spätestens mit Beginn der Opening-Credits hat er euch auf seiner Seite. (Patrick Winkler / Juli 1999) Filmdaten:
WILD WILD WEST Regie: Barry Sonnenfeld Will Smith Kevin Kline Kenneth Branagh Salma Hayek M.Emmet Walsh Ted Levine u.a., Verleih: Wienstart: 30.7.1999 © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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