![]() | ||
![]() ![]() ![]() |
Ganz normal verliebtIn Hollywood werden Themen für Filme immer gleich zweimal ver(sch)wendet: Die oberflächliche Medienkritik in TRUMAN SHOW (USA 1998, Peter Weir) und gleich in ED-TV (USA 1999, Ron Howard), Kaiserin Elizabeth in SHAKESPEARE IN LOVE (USA/GB 1998, John Madden) und in ELIZABETH (GB 1998, Shekhar Kapur) und jetzt das Thema Behinderung und Sex zum zweiten Mal nach der gelungenen THEORY OF FLIGHT (GB 1998, Paul Greengrass). Dies ist nun die Geschichte von Carla (Juliette Lewis), eine mit dem IQ von Forrest Gump, der aber in dem Film nicht mitspielt. Also verliebt sich die jüngste der drei Töchter von Tom Skerritt und Diane Keaton in den ebenfalls leicht behinderten Danny (Giovanni Ribisi). Ihren ultrakonservativen Eltern paßt das aber weniger. Mir ist nicht ganz klar, ob Tom Skerritt und Diane Keaton ein oberflächliches, reiches Ehepaar nun parodieren oder ernsthaft darstellen sollen. Soll dieses Elternpaar zur Identifikation dienen? Wenn ja, auch gut, oberflächlich ist der Film ohnedies. Als Keaton verzweifelt, weil die eine Tochter behindert und die Andere (Sarah Paulson) lesbisch ist, meint Skerritt trocken: Wenigstens haben sie nicht die Demokraten gewählt. Au! Bei Keaton bin ich mir auch nicht sicher, ob sie das nur spielt. Immerhin war sie in den Allen-Filmen auch nie so schräg wie die anderen Darsteller. Nun gut, dieses Durchschnittsehepaar, dem es gelungen ist ihr behindertes Kind zehn Jahre in einem Heim zu verstecken, arbeitet nun fleißig daran, daß wieder gutzumachen, in dem es das Kind in den Kostümen "normaler" Menschen versteckt. Der Film kritisiert dieses Verhalten sehr fragwürdig. Viel zu schwer wird das "harte" Schicksal der Familie bewertet. Und dann noch die andere Tochter lesbisch, nein! Wenigsten heiratet die Dritte (Poppy Mongomery) einen Snob. Der deutsche Titel ("Ganz normal verliebt") belädt diese falsch gemeinte Toleranz, die den ganzen Film durchzieht, gleich noch mehr. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, der Film hätte sich auf die scharfe, lesbische Tochter konzentriert, tja, Pech gehabt. Allerdings, das muß hier gesagt werden, spielen Lewis und Ribisi sehr toll. Gerade Juliette Lewis, die schon fast Gefahr lief, in ihrer KALIFORNIA/NATURAL BORN KILLERS Flittchen-Rolle zu stagnieren begeht hier eine Imagekorrektur der anderen Art. Und ein weiterer Trost ist Hector Elizondo, der zwar sein Talent immer an Mainstream verpulvert, aber er hat wenigstens Talent. Hier gibt er einen väterlichen Freund Danny´s, und ist nebenbei auch Vietnamveteran, Danke! Den Wettbewerb um die kitschigste und oberflächlichste Inszenierung, gewinnt Regisseur Garry Marshall um Längen. ...SISTER ist so ein Film bei dem man bei anfänglichen Kitsch-Attacken bereits ahnt, daß da noch mehr kommt und sich am Ende Menschen unter schweren Geigen mit Tränen in den Augen in den Armen liegen. Wer das mag, der hat hier Spaß. Wer nicht, der geht lieber in Deckung, denn bereits der nächste Anschlag steht bevor. RUNAWAY BRIDE startet diesen Herbst und impliziert die lange versprochene (wer hat eigentlich danach verlangt?) Wiedervereinigung des Gespanns Marshall (Regisseur von "Pretty Woman"), Julia Roberts und Richard Gere. Nicht nur das Roberts nach ihrer gerade noch nicht nervigen Präsenz in NOTTING HILL (GB 1999, Roger Michel) wieder zum Brechreiz ansetzt (Gere stört immer), bekommen wir die volle Breitseite der Deutschen. Die gaben dem Film nämlich den selten dämlichen Titel "Die Braut, die sich nicht traut": AU!!!, Das trau ich mich nicht einmal groß schreiben. Das sind Schmerzen!. Das ist das Ende. (26. Juli 1999/ Patrick Winkler) Filmdaten:
Ganz normal verliebt Juliette Lewis Giovanni Ribisi Diane Keaton Tom Skerritt Poppy Mongomery Sarah Paulson Hector Elizondo u.a. Verleih: Wienstart: 6.8.1999 © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
|