CRUEL INTENTIONS / EISKALTE ENGEL

Ein typisches Remake: Immer schlechter als das Original. Viel gibt es nicht zu sagen: dies ist der Versuch, "Gefährliche Liebschaften" in das Manhattan der reichen und schönen Juppie-Kids von heute zu übersetzen. Doch der Regisseur heißt leider nicht Buz Luhrman, der das geniale "Romeo und Julia"-Remake verbrach, und so bleibt das Auge trocken.

Die Story handelt von zwei Charakterschweinen, die sich an Kaltblütigkeit zu überbieten suchen. Die beiden sind Stiefgeschwister: Er (Ryan Philippe) ist ein Don Juan, sie (Sarah Michelle Gellar) ist ein rachsüchtiges Flittchen. Sie schließen eine Wette ab, in der es um Rache und Entjungferung geht. Zu gewinnen gibt es seinen 1956 Jaguar Roadster gegen eine Nacht mit ihr, wobei er erst einschlägt, nachdem sie ihm konkretere Optionen des Aktes dargelegt hat ("You can put it anywhere"). Er wird zum Opfer seiner Beute (Reese Witherspoon), als er sich erstmals ernsthaft verliebt. Buhu.

Die Darsteller sind - abgesehen von ihrem offensichtlichen Mangel an Talent- freilich zu jung, als daß sie überhaupt den emotionalen Erfahrungsschatz besitzen könnten, der ihnen da zugemutet wird. Und wenn die Texte dann auch noch wortgetreu von Stephen Frears (DANGEROUS LIAISONS,1989) Verfilmung übernommen werden... Nur sieht man dann nicht Stars wie Michelle Pfeiffer, Glenn Close und John Malkovich, sondern 3 halbwüchsige Trendfrettchen, die nur so tun, als könnten sie mehr als ihren CD-Player manipulieren... tja. Auch wer noch nie irgendeine der drei früheren Verfilmungen der Romanvorlage von Cholderlos de Laclos' "Les liaisons dangereuses" gesehen hat, wird sich schwer tun, wach zu bleiben. Oder aber man kann sich die Zeit gut damit vertreiben, Anschlußfehler zu zählen.

Superschickes Ambiente, teuerste Kleider und trendy Styling reichen einfach nicht. Man merkt, daß die Kostümdesignerin (Denise Wingate) von der TV-Serie "Melrose Place" wegengagiert wurde. Und der Produktionsdesigner ist offenbar größenwahnsinnig. Und auf die angekündigte Erotik wartet man vergebens... Dies ist immerhin Roger Kumbles Regiedebut. Vielleicht war er zu nervös am Set. Hoffen wir für ihn, daß nur das der Grund war für diese schwache Leistung. Als hätte er dauernd zu seinen Darstellern gesagt: "Schaut's Euch das bei Glenn Close und John Malkovich (usw) ab!"

Nur was für Menschen unter 20 mit geringem Anspruch.

(Miryam Neu, 9.7.99)


Filmdaten:

CRUEL INTENTIONS
USA 1999, Länge: 101 Minuten
Regie und Drehbuch: Roger Cumble
Kamera: Theo van de Sande
Produktion: Neal H. Moritz
Musik: Edward Shearmur

Darsteller:
Sarah Michelle Gellar
Ryan Philippe
Reese Witherspoon
Selma Blair

Verleih:
Kinowelt Fimverleih

Wienstart: 27.8.1999


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