Lang Lebe Ned Devine!

Wie kommt man möglichst rasch und ohne wenig Arbeitsaufwand zu möglichst viel Geld?

Mit dieser Frage bzw. mit diesem Problem haben sich schon fast inflationär viele Filmemacher auseinandergesetzt und ihre Protagonisten mehr oder weniger erfolgreich davonkommen lassen. Da gibt es Banküberfälle, Raubüberfälle, Betrügereien, Einbrüche usw.
Und da gibt es auch noch die Möglichkeit sich völlig auf sein Glück zu verlassen und es mit Glücksspielen zu versuchen. Millionen Menschen auf dieser Welt spielen mehr oder weniger regelmäßig Lotto und hoffen auf den großen Gewinn.

Auch das kleine, irische Dorf Tullymore ist im ersten Spielfilm des bisherigen Werbefilmers Kirk Jones im Lottofieber, denn es gibt einen Jackpot. Fast jeder im 52-Seelen-Dorf spielt Lotto - und tatsächlich: Fortuna war gütig gestimmt und aus der Zeitung erfährt man, daß jemand in der Umgebung von Tullymore den Haupttreffer gewonnen hat. Diesen Gewinner wollen nun die beiden, schon in die Jahre gekommenen Freunde Jackie O'Shea (Ian Bannen) und Michael O'Sullivan (David Kelly) aufstöbern und sie versprechen sich von dem Gewinn profitieren zu können, wenn sie sich der/dem GewinnerIn besonders freundschaftlich nähern.

Also machen sie sich auf und beginnen die Leute im Dorf besonders aufmerksam zu beobachten und auszuhorchen, ob nicht jemand in nächster Zeit eine besonders große Investition (Auto, Reise, Land, etc.) vor sich hat. Schließlich wird der Gewinner ausfindig gemacht: Ned Devine (Jimmy Keogh). Als man ihm seine Aufwartung machen will, stellen die beiden fest: sein altes Herz hat den Schock des Gewinns nicht mehr verkraftet und er starb vor dem Fernseher: Mit dem Lottoschein in der Hand und einem Grinsen im Gesicht.
Was macht man nun mit der Leiche eines Millionärs? Es wäre doch schade den Gewinn verfallen zu lassen, wo doch jeder im Dorf für ein bisschen Geld sehr dankbar wäre.

Neben dem äußerst amüsanten Hauptplot in 'Lang Lebe Ned Devine!' widmet sich Regisseur und Drehbuchautor Kirk Jones völlig unverkrampft auch sozial relevanter Themen, wie die Emanzipation der Generationen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren verkehren miteinander als völlig Gleichberechtigte. Jedem der etwas zu sagen hat wird zugehört. Weiters die Problematik von Bauern eine Frau zu finden.(im Film der Schweinehirte Pig Finn (James Nesbitt) und seine Angebetete die hübsche Maggie (Susan Lynch - Gott sei Dank nicht 'klischee-rothaarig')).
Auch das Selbstbewußtsein und die Solidarität der Landbevölkerung wird locker und glaubwürdig dargestellt. Jeder könnte ein bisschen Geld gebrauchen, aber es müssen nicht gleich Millionen sein.

Gekonnt hat Kirk Jones, den durch Hollywoodfilme beim Zuschauer konditionierte 'erhobenen Zeigefinger' bezüglich moralischer Werte, zum Glück vermieden. Alle bekommen was sie verdienen und man gönnt es ihnen von Herzen. Erwähnenswert sind auch noch die sehr schönen Bilder von Kameramann Henry Braham (wird wieder viele Touristen nach Irland locken) und die stimmungsvolle, lokalcolorierte Musik von Shaun Davey.


(22. Juni 1999, Roland Rainer)


Filmdaten:

Waking Ned
GB 1998,Länge: 91 Minuten
Regie und Drehbuch: Kirk Jones
Kamera: Henry Braham
Produktion: Glynis Murray, Richard Holmes
Musik: Shaun Davey

Darsteller:
Ian Bannen
David Kelly
Fionnula Flanagan
Susan Lynch
James Nesbitt
Brendan F. Dempsey

Österreich Start: 18. Juni 1999

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