Die Mumie

Ägypten 1926. Rick O´Connell (Brendan-"Ein Auge in Moskau, eins in Tokio"- Fraser) selbstdefinierter Abenteurer steckt in Schwierigkeiten. Anstelle der üblichen provinziellen Wüstenbewohnern ist es diesmal der Hohepriester Imhotep. Das Problem dabei: Imhotep (denn ich ab hier freundlich "Imi" nennen werde) ist schon 3000 Jahre tot und so nebenbei auf alles und jeden sauer. Eine Ausnahme macht er bei der Bibliothekarin Evelyn (Rachel Weisz), denn diesem Gesicht kann niemand unter der Sonne je böse sein. Also will Imi die süße Evelyn zu seiner neuen Braut machen. Dagegen hat jetzt natürlich unser Held Rick was, der längst eines seiner Glubschaugen auf Evelyn geworfen hat.

Der Film hat noch eine Menge anderer Handlungsebenen, die jedoch so blöd sind, daß ich damit niemanden die Lust auf THE MUMMY nehmen möchte. Der Film ist nämlich wirklich gut. Er hat von Anfang an ein recht angenehmes Tempo, das einem/r von Anfang an keine Zeit läßt über die schlechte Story länger nachzudenken.

Imi macht ordentlich Druck. Bienen aus dem Mund, ein Sturm da, etwas Säure dort, der Priester verschwendet keine Zeit daran sich das 20 Jahrhundert überhaupt einmal anzusehen bevor er es in Schutt und Asche legen will. Der Horror dieses Nicht-Horrorfilms ist etwa ab 12 freizugeben, aber macht ja nichts, denn der Horrorfilm ist ja längst tot.

Aber die netten Witzchen zwischendurch und die vielen Effekte und Actionszenen können schon unterhalten, selbst wenn Imi am Anfang mehr nach Teddybär aussieht, als ihm lieb sein dürfte. Sogar bei den Untertiteln (die Macher waren so lieb, die Passagen in Alt-Ägyptisch, die ja doch nicht jedem geläufig sein dürften, zu übersetzten) wird versucht Bombast zu fabrizieren.

Dem Regisseur gelingt es leider viel zu selten, mit der Thematik zu faszinieren. Der Sand, der Feuersturm über Kairo, die Zombies, in all dem steckt mehr als der Film zu bieten hat. Er ist da etwas verschwenderisch. Stattdessen gibt es wieder ein paar Stilblüten in den Schmerz-Dialogen: "Hoffentlich fällt er nicht vom Kamel!", "Ist das nicht ein Dromedar?" oder mein liebster: "Das ist meine Statue, ich hab sie zuerst entdeckt", "Ich seh aber nicht das da dein Name draufsteht!". Ja, das ist schlecht!

Und wehe jemand käme auf die törichte Idee THE MUMMY mit den INDIANA JONES- Filmen (alle Steven Spielberg, USA 1981, 84 und 89) zu vergleichen. So gut ist der Film nun auch wieder nicht. Und Brendan-"Ich bin billig"-Fraser ist kein Harrison Ford.

In the Mummy dominieren eher die übernatürlichen Dinge, die nicht als solche gedacht waren. Als da sind: Vollautomatische Pistolen im Jahre 1926 ("die wilden Zwanziger") und ein Araber (sexy: Omid Djalili), der ein Gesicht aus drei Kilometern Entfernung erkennen kann (in der Nacht!).

Der Film hat eher den billigen Touch der Jerry Bruckheimer-Filme. Viel Geld, viele Namen, viele Effekte, keine Handlung und Dialoge, die man nicht einmal im Grab hören will. Also in diesem Sinn: Hirn aus und rein!

Nach der Pressevorführung haben sich natürlich einige dazu bewogen gefühlt verächtliche Geräusche zum Film abzugeben (keine Blähungen), dennoch war der Saal voll und keiner ist gegangen. Thrash as Thrash can.

(22. Juni 1999, Roland Rainer)


Filmdaten:

THE MUMMY
USA 1999, Länge: 120 Minuten
Regie: Stephen Sommers
Drehbuch: Stephen Sommers
Kamera: Adrian Biddle, B.C.S.
Produktion: James Jacks, Sean Daniel
Musik: Jerry Goldsmith

Darsteller:
Brendan Fraser
Rachel Weisz
John Hannah
Kevin O´Conner
Oded Fehr
Omid Djalili
Erick Avari

Verleih:
UPI

Wienstart: 4.6.1999


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