Die Macht der Feder

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...das PR-Bombardement hat gut funktioniert
... tatsächlich. Unübersehbar ist der Autor dieser Zeilen starwars-brainwashed. Wobei er selbst natürlich die Quelle dessen in seiner Kindheit sieht und weniger in der Geheimhaltungsstrategie des Lucas-Imperiums während der Dreharbeiten....
Sabine, 8.6.99, 11.43 Uhr

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Der Paradigmenwechsel
Was den Paradigmenwechsel angeht bin ich teilweise derselben Ansicht - ganz klar - die Tendenz ist absolut absehbar:
Sobald das Netz technisch noch schneller und stärker ist und die Bildschirme immer größer werden, wird es eine Fusion zwischen TV und Netz geben.
Das Kino hat dennoch die Entwicklung des Fernsehen zwar nicht schadlos überstanden, aber hat dem TV (zu unserer Freude) immer interessantere Specials entgegen gesetzt, so daß Kino als Sozial-Event bald ausgedient hat und zum Effekte-spektakulärer-als-in-der-Glotze-Lieferanten geworden ist. Gut so.

Aus diesem Grund glaube ich eigentlich, dass die Großleinwand dem Netz auch noch länger nicht unterliegen wird. Fraglich ist allerdings, in welcher Weise Aspekte wie "Inhalt" oder "Plot" immer nebensächlicher werden, weil man sie ja nachlesen kann (Startrek-Dialoge ...) oder eben ansehen - wie hier bei Star Wars.
Das bedeutet, dass der Paradigmenwechsel - so sehe ich das - weniger in Richtung: Kampf dem Kino, als vielmehr in Richtung: Kino für geniales Hightech-Bombardement (auch Liebesfilme können mit atemberaubenden Bildern und unpackbarem Sound aufwarten) und TV/ bzw. Netz für - naja - Content?
Echte Maniacs müssen Star Wars auf der Leinwand sehen - und die Nicht-nicht-oder-nur-ein-bisschen-Fans werden ziemlich sicher auch eine Kinokarte kaufen, weil die wohl kaum ihre Zeit darauf verwenden eine Raubkopie aus dem Netz zu ziehen oder sich eine CD zu organisieren.
Mal ganz abgesehen davon, dass viele, viele, viele nicht einmal wüßten, wie sie es anfangen sollten...
(Und eine Frage am Rande: Bist Du sicher, dass Star Wars der erste Film ist, der ein Netzspektakel ausgelöst hat?)
Sabine, 8.6.99, 11.43 Uhr


Ob an der Kinokasse Riesenverluste drohen, ist m. E. noch nicht ausgemachte Sache. Denn ins Kino lockt neben Leinwand und Surroundton auch das Erlebnis, dabeigewesen zu sein (damit man was erzählen kann).
Gerade bei Se-(Pre-?)quels mit Kult-Charakter hat sich ein (ekliges Wort:) Diskurs entwickelt, an dem teilzuhaben dem Fan sehr wichtig ist. Und wenn es stimmen sollte, daß wir - vielleicht: noch - in einer Eventgesellschaft leben, dann kann VHS mit dem Kino nicht mithalten. Insoferne will ich diesem Teil von eSeLs Analyse nicht zustimmen und bin da auf Sabines Seite.

Dazu eine Geschichte: Vor ein oder zwei Jahren ist im Apollo Kino die gesamte Star-Wars-Trilogie als Sommerretrospektive gelaufen. Der größte Saal des Kinos war überfüllt mit 30- bis 40jährigen Eltern und deren Sprößlingen. Es war der ab-so-lu-te Wahnsinn.
Und was sagten die Kids mit langen Gesichtern nach dem Ende der Vorstellung? - »Nur um draufzukommen, daß der Darth Vader der Vater vom Luke ist, hab ich jetzt mitkommen müssen?«

Moral: Die Kinder der 30- bis 40jährigen wissen schon sehr gut Bescheid. Und für die wurde The Phantom Menace offensichtlich gemacht. Und die werden auch ins Kino rennen. Garantiert. Denn sie wollen wissen, WIE alles so gekommen ist.

Sie kennen schon das Neue Testament. Nun wollen sie das Alte Testament kennenlernen, die Schöpfungsgeschichte.
Ross, 11.6.99, 11.19 Uhr

Ich habe meine Meinung mittlerweile revidiert und bin mittlerweile von den sozialen Vorzügen eines Veteranentreffens cineastischer Sternenkrieger überzeugt.
Außerdem will den verdammten Film ja auch bumm-krach-laut hören.
Es geht ja bekanntlich nichts über die fünfte Reihe Mitte Haydn-Kino, wo die Augen das Bild gar nicht erst auf einen Blick erfassen können.

Eine Folge, die der inoffizielle Pre-Release der Rom-Version allerdings haben könnte, ist das Ausbleiben der mehrfach-bis-tausendfach-Seher, Auswendiglerner und fanatischer Filmanalytiker. Die werden ihre Studien wohl zu Hause betreiben, oder?
Wobei es auch hier zu einer reaktionären "Jetzt-erst-recht-nur-noch-ins-Kino"-Bewegung kommen könnte.

Interessant ist in dieser Hinsicht die Tatsache, daß sich die Cd-Rom-Version, die Wink zugespielt wurde, auch nur in einem Stück ansehen läßt.Man kann zwar pausieren, aber das Vor- und Zurückspulen wurde mit Absicht disabled (und ich bin natürlich zu blöd, das zu übergehen).
Besonders ärgerlich ist es natürlich, wenn die Kiste wegen irgendwelchen digitalen Wehwechen einen Systemabsturz erleidet und man wieder bei der Titelmelodie beginnen muß.
eSeL, 11.6.99, 18.40 Uhr

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Die Werbestrategie
Nachdem thematisert wurde, dass die Werbestrategie in Europa verändert werden müßte, wüßte ich gerne, wie.
Ist die Fan-Artikel, geheim-geheim und Plakate-allerorten- Taktik denn bisher eine andere gewesen, als bei allen anderen Kinofilmen?
Wie kann man einen Film, der ohnehin schon legendär ist, bevor er überhaupt über die Leinwand flimmert noch mehr (geschweige denn: anders promoten?)
Sabine, 8.6.99, 11.43 Uhr

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Das christliche Denken
Mit dem Vergleich zwischen Jesus-Kind und Anakin reißt Du etwas an, was ich nicht unterschätzen würde: Die amerikanische Scheinmoral und das zwischen pseudo-christlichen und fanatischen Tendenzen strauchelnde 20. Jahrhundert.
(Noch dazu, wo das "Böse" als Luzifer himself auftritt - das Pressebild spricht Bände!)
Ist das Bewußtsein der christichen Ideologie doch so sehr in uns verankert, dass wir die Grenzen des Denkbaren kaum erweitern können als in diesen Gegenpolen zu denken?
[Ich fände es interessant mal die Gut-Böse-Problematik anders als in der üblichen oben-unten-rechts-links-Polarität in einer anderen Weise anzudenken. Ich ertappe mich gerade dabei - während ich darüber nachdenke - dass es mir kaum gelingt anders als in klassischen Gegensatz-Paaren zu denken, aber das ist wirklich eine andere Geschichte!]
Sabine, 8.6.99, 11.43 Uhr

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Die Ideologie
Mein Verständnis von amerikanischem way-of-life sagt: survival-of-the-fittest.
Ein in Richtung kommunistischer (?) Einheit tendierendes "Wir, die Mächtigen, sind eigentlich ein Ganzes" wirft einen eigenartigen Blick auf das Verständnis von Macht und Freiheit.
Ich kann mich natürlich nur an Deine Zeilen halten, aber ich fühle mich an muslimische Fanatiker erinnert, wenn Du von "ein wahrer Jedi-Ritter folgt seinen vagen Ahnungen, selbst wenn sie zu einem völlig sinnlosen Tod im Schwertkampf führen sollten..." sprichst.
Immerhin ist es eben Star Wars und Amerika und Ideologie.
Sabine, 8.6.99, 11.43 Uhr

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Buchtip
Was all die philosophischen und mythisch-religiösen Implikationen angeht, möchte ich ein Buch empfehlen:

Christian Wessely, Von Starwars, Ultima und Doom. Mythologisch verschleierte Gewaltmechanismen im kommerziellen Film und Computerrollenspielen. Frankfurt am Main 1997 (Peter Lang Verlag).

Der Autor hat auch eine Homepage, auf der sich Textauszüge dieses Buchs befinden.

Im übrigen bin ich der Meinung, daß das Star-Wars-Eis von Eskimo (grüner Apfel und Erdbeer) gräßlich schmeckt.
Ross, 11.6.99, 11.19 Uhr

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(8. Juni.1999. eSeL)

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