Lulu on the bridge

"Du bist in einem Flugzeug und mußt auf die Toilette. Die ist besetzt also unterhältst du dich mit der Stewardeß. Als das WC frei wird, kommt eine hübsche Junge Frau heraus, die dich anlächelt. Du lächelst zurück. Als du das WC hinter dir zusperrst siehst du, daß der WC-Deckel geschlossen ist und mittendrauf ein großer Haufen liegt. Was tust du?"

Gleich vorweg: Ich denke, das Regiedebut von Autor Paul Auster wird man entweder hassen oder lieben, zumindest teilen sich so die bisher von mir gehörten Reaktionen auf LULU ON THE BRIDGE.

Der Jazz-Saxophonist Izzy (Harvey Keitel) wird bei einem Konzert mal eben kurz angeschossen und kann daraufhin nie wieder spielen. Er verfällt in eine tiefe Depression, bis er eines Nachts (auch nur so) eine Leiche findet mit einem Stein und mit der Telefonnummer der Schauspielerin Celia (Mira Sorvino). He, ich weiß ja auch nicht wer alles meine Nummer hat, oder?

Wenn es dunkel ist beginnt der Stein zu schweben und zu Leuchten. Das sieht zwar aus wie bei den "Teletubbies", aber es lacht natürlich keiner, denn wir befinden uns ja in einem Paul Auster-Film.

Izzy führt Celia den Stein vor, die daraufhin sofort mit ihm ins Bett will (da soll noch einer sagen Pornos hätten schlechte Drehbücher), wenn das nur in Wirklichkeit auch so gehen würde... Schließlich besorgt Izzy Celia eine Rolle bei einem Film der Regisseurin Catherine Moore (Vanessa Redgrave). Die Dreharbeiten trennen die Liebenden. Izzy wird daraufhin vom mysteriösen Dr. Van Horn (William Dafoe) entführt, der auf der Suche nach dem seltsamen Stein ist.

So viele Drogen kann ein Mensch gar nicht konsumieren, um die Liebe zwischen Harvey Keitel und Mira Sorvino realistisch zu finden. Die beiden spielen zwar wirklich gut, aber sie passen halt nicht zusammen. Vom Sex wollen wir gar nicht erst reden. Eine dieser Rollen ist der anderen gegenüber einfach fehlbesetzt.

Dabei sind alle Schauspieler wirklich gut. Der Film ist einfach nur stinkfad! Solche Stilblüten, wie der eingangs zitierte Satz bilden da leider die Ausnahme.
Die Dialoge spielen sich in Zeitlupe ab. Da habe ich noch letztens kritisiert, das die Jungfilmer der Filmakademie Wien zu wenig Dialoge machen würden... Bei Austers Film wäre das gut, damit die lähmenden Szenen schneller vorbei sind. Da gibt es einen zehnminütigen Dialog zwischen Keitel und Dafoe über Glühwürmchen (!). Metaphern hin und her, aber das tut weh. Die beiden wirken zusammen mit Victor Argo (als Pierre) so als würden sie keine besseren Rollen mehr finden.

Die Lippen von Gina Gershon (als Izzys Ex-Frau, na ja bei den Fehlbesetzungen ist das auch schon egal) trösten den enttäuschten Seher wenigstens ein bißchen. Es sieht so aus als hätte Auster die in ihrer Primitivität genialen Dialoge eines Quentin Tarantino falsch verstanden. Nicht alles was langsam ist, ist gleich anspruchsvoll. LULU.... ist in seiner unberechenbaren Langeweile sogar richtig anstrengend. Auch der Schluß, der eine Mischung aus JACOB`S LADDER (Adrian Lyne, USA 1991) und LOST HIGHWAY (David Lynch, USA 1996) sein könnte, stiftet unnötige Unruhe statt die Geschichte mit ihren Siebenschläfern endlich ruhen zu lassen.

(23. Mai 1999. Patrick Winkler)


Filmdaten:

LULU ON THE BRIDGE
USA 1998, Länge: 104 Minuten
Regie/Buch: Paul Auster
Kamera: Alik Sakharov
Produktion: Peter Newman, Greg Johnson, Amy Kaufman
Musik: Graeme Revell

Darsteller:
Harvey Keitel
Mira Sorvino
William Dafoe
Gina Gershon
Vanessa Redgrave
Mandy Pantikin
Victor Argo

Verleih: Tobis

Wienstart: 4.6.1999


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