MR. NICE GUY

Großartig durchdachte Handlungen waren noch nie die Stärke der Jackie-Chan-Filme. Wozu auch, desto simpler die Handlung, desto mehr Platz ist für Jackie Chans "unglaublichste Action-Stunts der Welt" (Zitat Sylvester Stallone). Und es wäre auch nur nervig, dem sympathischen Jackie (der der Einfachheit halber in seinen Filmen auch Jackie heißt - außer in RUSH HOUR, aber der zählt nicht) mit zehnminütigen Monologen aufzuhalten, wo er doch die Zeit doch viel besser für seine (alle nicht-gedoubelten) Stunts verwenden kann.

MR. NICE GUY geht daher auch gleich ordentlich zur Sache: Noch bevor Jackie überhaupt zum Zug kommt, ist da Richard Norton, der eifrig den Bösen machen darf. Ist mir sowieso rätselhaft wie man diese Visage je als "Held" und "Identifikationsfigur" in zahlreichen Videopremieren hat auftreten lassen können. Als Bösewicht passen auch seine mittlerweile recht zahlreichen Falten gut in sein Satteltaschengesicht. Das überzeugt!

Der Film fackelt auch nicht mit langen Einleitungen herum. Norton, Gangster in Melbourne, läßt eine seiner Untergebenen lebendig begraben, weil sie angeblich zu den "Dragons", einer Gang die ihm Drogen geklaut hat, gehört. Ein Treffen mit den "Drachen" endet in einem Blutbad, gefilmt von einer Reporterin (sehr scharf: Gabrielle Fitzpatrick, nur der Aussi-Akzent bremst etwas den Sex-Appeal), die sich natürlich dabei erwischen läßt. Auf ihrer Flucht gelangt das Tape samt Reporterin "zufällig" in die Hände des Fernsehkochs (!) Jackie. Und schon bieten sich diesem genug Gelegenheiten, in der für ihn typischen "Verteidigung", massenhaft Böse zu vermöbeln.

Die Handlung ist wirklich kein Kracher, aber was sich dabei optisch bietet, läßt den Kummer darüber vergessen. Tatsächlich gönnt sich Jackie kaum Pausen zum Reden (bei seinem Englisch wird das schnell verständlich, obwohl das für zusätzliche Unterhaltung sorgt), sondern springt von einer Action in die nächste. Dabei sind ihm sogar die Cops im Weg. Bei einer Geiselübergabe wird Chan mal so eben von 20 Polizisten begleitet. Allerdings sind die Gangster so blöd, das sie das kaum mitkriegen.

Die "Dragons" sind waschechte Prolos, deren Klamotten immer zufällig dort Löcher haben wo entweder Muckies oder Tätowierungen zum Vorschein kommen (ein Hoch auf die Kostümbildner). Überhaupt haben einige von denen MAD MAX zu oft gesehen. Die sind so auftrainiert, das sie eigentlich dauernd irgendwo Sit-Ups oder Liegestütz machen müßten. Ein Fest für die Augen.

Gesteigert wird das ganze Vergnügen noch durch die dezente Schleichwerbung einer Cola-Marke mit dem Namen P.... (nicht Plack Jack), die so manche Product-Placement-Experten vor Neid erblassen lassen wird: Eine Verfolgungsjagd endet zufällig in der Kollision mit einem P....cola-LKW, woraufhin sich Jackie noch einen Fight auf den herumliegenden Dosen liefert.

Regisseur Sammo Hung (ENTER THE DRAGON) hat auch selbst schon als "Martial Art"- Schauspieler gearbeitet, und zwar bei DER KLEINE DICKE MIT DEM SUPERSCHLAG / ENTER THE FAT DRAGON (!?,1979). Der Film ist wirklich ein Hammer, der beste Chan-Film, den ich kenne.

Kleinere Fehler wie explodierende Holzhäuser (na ja, solls ja geben) und offensichtlich blinde Beleuchter geben dem Film einem familiären Touch. Und der Make-Up-Artist, der Nortons blaues Auge am Ende des Films mit tuntigem Rouge verhaut hat, den hat Richard sicher selbst noch vermöbelt, jede Wette.

(10. Mai 1999. Patrick Winkler)


Filmdaten:

MR. NICE GUY
USA 1998, Länge: 88 Minuten
Regie: Sammo Hung
Drehbuch: Edward Tang, Fibe Ma
Kamera: : Raymond Lam (H.K.S.C.)
Produktion: Chua Lam
Musik: J. Peter Robinson

Darsteller:
Jackie Chan
Richard Norton
Miki Lee
Karen Mclymont
Gabrielle Fitzpatrick

Wienstart: 17.6.1999


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