True Crime

In jedem von uns steckt ein Dirty Harry, der die Zähne zusammenbeißt und sagt: "Es interessiert mich einen Scheiß!". Clint Eastwood ist wie viele seiner Rollen reaktionär, aber ein guter Reaktionär, weil er seine Meinung keinem aufzwingt. Auch die Charaktere in TRUE CRIME sind in sich schlüssig gezeichnet. Es gibt, wie auch in Wirklichkeit keine "Bösen", nur Menschen mit verschiedenen Meinungen und am Ende hat keiner den anderen bekehrt. .

Steve Everett (Eastwood) ist ein Zeitungsreporter der alten Schule. Er hat nichts außer seiner "Nase", seinem Instinkt. In New York gefeuert, setzt er seine lästerliche Existenz, gekennzeichnet von Seitensprüngen und Autoritätsproblemen in Oakland fort (bezeichnenderweise ist Oakland das geographische Gegenüber zu San Francisco, dem Schauplatz der DIRTY HARRY- Filme). Durch den Tod seiner Kollegin, die nicht gestorben wäre, hätte sie sich von Everett abschleppen lassen (diese Fügung des Schicksals wirkt wie eine primitive Männerphantasie), kommt Everett dazu, ein Interview mit dem Todeskandidaten, Frank Beechum (Isaiah Washington) zu führen, der noch in der selben Nacht hingerichtet werden soll, doch Everett Nase rümpft sich bereits....

TRUE CRIME ist ein Schauspielerfilm, von einem (Schauspieler-) Regisseur, der zum Glück nicht so langsam inszeniert, wie Robert Redfort (Gähn!) oder Kevin Costner (Ultra-Gähn!). Dabei stellen die Leistungen von James Woods, als Everett´s Boß nur einen Moment vom Herzinfarkt entfernt, Dennis Leary (zwischen Hühnerbrust und hartem Spießer) und besonders Eastwood selbst, wirklich einen Höhepunkt dar. Zeitweise kommt es dabei zu Dialogen über Everett´s Seitensprünge, die völlig von der Haupthandlung des Films ablenken.

Das hat zur Folge, daß Film in seiner Position zur Todesstrafe nie die Intensität eines DEAD MAN WALKING (Tim Robbins, USA 1995) erreicht. Und das passiert auch, weil der Film keine Stellung beziehen möchte und sich lieber auf die Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Charakteren konzentriert, deren Zusammensetzung nur für diese Geschichte gültig ist.

Vor allem Steve Everett ist ein Antiheld, der seine Frau wiederholt betrügt, sich zuwenig um sein Kind kümmert. Er ist alt und wahrlich kein Adonis mehr, aber er ist dennoch ein Held, der mit der Frau seines Vorgesetzten schläft. Und Harry Calahan ist längst nicht mehr. Aber Clint Eastwood lässt ihn ab und zu noch raushängen, Danke!

(4. Mai 1999. Patrick Winkler)


Filmdaten:

True Crime
USA 1999, Länge: 127 Minuten
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Larry Gross, Paul Brickman, Paul Brickman, Stephen Schiff (nach dem Roman von Andrew Klavan)
Kamera: Jack N. Green
Produktion: Clint Eastwood, Richad D. Zanuck, Lili Fini Zanuck
Musik: Lennie Niehaus

Darsteller:
Clint Eastwood
Isaiah Washington
James Woods
Dennis Leary
Lisa Gay Hamilton
Bernhard Hill
Diane Venora
Francesca Fisher-Eastwood


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