Liar - Scharfe Täuschung

Mit seinem "Ruhepuls: 180"- Gesicht wird Michael Rooker wohl nie eine Karriere á la Brat Pitt gelingen. Er steht dennoch am Anfang dieser Besprechung, weil er immer als Co-Star genannt wird, "der schon mit Stallone gearbeitet hat". Michael Rooker hat 1986 mit seiner Darstellung des Henry Lee Lukas (HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER, John Mc Naughton, USA 1986) eines der beeindruckendsten Debüts als Hauptdarsteller geliefert. Dieser Mann verdient Respekt.

Passend dazu spielt Rooker hier den harten Bullen Kennesaw, der gemeinsam mit seinem etwas doofen Kollegen Braxton (Chris Penn) den des Mordes verdächtigen John Wayland (Tim Roth) verhört. Kennesaw ist ein Experte was Verhöre mit Lügendetektoren betrifft. Über 1500 hat er durchgeführt, seine Geständnisrate liegt bei über 90%. Doch Wayland stellt sich als alkoholischer Spastiker (!?) heraus und ist darüber hinaus noch sehr intelligent.

Die Zusammensetzung der drei Männer bei dem Verhör ist mehr als schwierig. Der eine Bulle ist ein Trottel (Braxton, IQ: 102), der andere ein Profi (Kennesaw, IQ: 122), der sich jedoch vom Verdächtigen (Wayland, IQ: 152) zusehends nervös machen läßt. Schon am Beginn des Films ist klar, daß der Mörder der Stripperin (= Prostituierte, die machen keine halben Sachen, die Amis, wenn schon, dann richtig) Elizabeth (Renee Zellweger) einer der drei ist, nur wer?

Schritt für Schritt wandern die Vermutungen in eine Richtung und wieder zurück, unterstützt von einer gelungenen Kamera und Montagearbeit. Nur was sich jetzt wie ein spannendes Psychogramm anhört, das lahmt an allen Ecken und Enden. Auch wenn die Schauspieler, wie bei Rooker, Tim Roth, Chris Penn auch nicht anders erwartet, überzeugen, so kommt nie wirklicher Thrill auf. Bei den langen Verhörszenen wünscht man sich manchmal aus dem Fenster sehen zu können, als alles mitanhören zu müssen, was sich die 3 Herren zu sagen haben. Dabei wirkt auch der Spastiker, den Roth gibt, allzu plakativ eingesetzt. Ein völlig überflüssiger Psychiater vermittelt den beiden Bullen einen Intensivkurs in der Sache und schon kommt Wayland wie auf Drogen als Gockelhahn auf einen Stuhl gehopst und entwickelt mit seinen Spaghettiarmen Kräfte wie Obelix.

Mann kann diese Momente aber auch als Lachpausen benutzten um dem sonst ganz gelungenen Filmverlauf zu genießen. Besonders gut bleiben auch die Leistungen von Rosanna Arquette (als Kennesaw´s Ehefrau) und von Renne Zellweger in Erinnerung, die in ihren wenigen Auftritten durchwegs überzeugen. Die Regie-Zwillinge Jonas und Joshua Pate allerdings mit Meistern wie den Coen- oder der Farelly- Brüdern zu vergleichen, wie es das Presseheft tut, ist angesichts dieses Films jedoch mehr als übertrieben.

(04. Mai 1999, Patrick Winkler)


Filmdaten:

Liar - Scharfe Täuschung
USA 1997, Länge: 102 Minuten
Regie und Drehbuch: Joshua und Jonas Pate
Kamera: : Bill Butler, A.S.C
Produktion: Peter Glatzer
Musik: Harry Gregson Williams

Darsteller:
Tim Roth
Michael Rooker
Chris Penn
Renee Zellweger
Rosanna Arquette
Ellen Burstyn

Wienstart: 7.5.1999


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