8 MM

Der Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) wird beauftragt, herauszufinden, ob jener Film, den seine Auftraggeberin im Safe ihres verstorbenen Mannes gefunden hat, ein "Snuff" Film ist. Seine Recherche führt ihn in den "Pornosumpf" von LA, wo er begleitet von einem erfolglosen Punkmusiker (mit sexy Bierbauch: Joaquin Phoenix) die Macher des Streifens aufspürt.

Als Welles am Beginn von 8MM den Snuff-Film ansieht, wird schnell klar, daß Joel Schumachers Film seinem selbst gewählt harten Thema nicht gerecht wird. Was Welles und Zuseher sehen, haut wirklich niemand von den Socken: Zu viele Tabus sind schon gebrochen worden, als daß dieses Filmchen schockt. Da nutzt es weder zehnmal zu betonen, daß er "echt" sei, noch kann Nicolas Cage´s Overacting schocken (höchstens unabsichtlich).

Ist der Film ab diesem Punkt erst einmal lähmend weil langweilig, so wird er später auf Grund seiner Eindimensionalität unkorrekt: Der "Porno-Untergrund" von LA spottet jeder Realität. Finstere Visagen vereinen S/M und Fetisch mit Mord, Vergewaltigung und Okkultismus, untermauert von orientalischen Klängen (oh, wie fremd!). Alles jenseits der Missionarsstellung könnte abartig sein.

Fortweg ist alles Schwarz/Weiß- Malerei. Der "gute" Welles, dessen Charakter durch Familie und Haus mit Garten gekennzeichnet ist und dessen größter Fehler es zu sein scheint zu rauchen (in Amerika quasi die 8. Todsünde) bekämpft das "Böse". Das wird vertreten von einem Mörder (Chris Bauer), der Danzig hört, einem grausigen Pornoproduzenten (James Gandolfini. Ist der nie in "guten" Rollen zu sehen?) und einem "Regisseur" (hübsch: Peter Stormare), der aussehen soll wie Luzifer persönlich. Natürlich darf Cage nun auch Selbstjustiz üben und weinen.

Bedauerlich an 8MM ist die verspielte Chance an das Thema Snuff/Perversion tiefgreifend heranzugehen. Und das, obwohl das Drehbuch von Andrew Kevin Walker (SEVEN, David Fincher, USA 1995) sicher das Zeug dazu hätte, nur läßt das Regisseur Schumacher viel zu selten zu. Nie käme der Film auf die Idee, Perversionen als Teil einer jeden Sexualität zu sehen und von eindeutigen Verbrechen zu trennen. Lieber verläßt man sich darauf, das Universum von 8MM mit "nur" einem Snuff-Film zu bestücken, alles andere ist Legende.

(26. April 1999. Patrick Winkler)


Filmdaten:

8MM - ACHT MILLIMETER
USA 1998, Länge: 123 Minuten
Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Kamera: Robert Elswit
Produktion: Gavin Polone, Judy Hofflund, Joel Schumacher
Musik: Mychael Danna

Darsteller:
Nicolas Cage
Joaquin Phoenix
James Gandolfini
Peter Stormare
Anthony Heald
Catherine Keener

Wienstart: 2.4.1999


P.S. Ein anderes Beispiel wo diesmal ein schlechtes Buch (von Kevin Williamson) auf eine gute (weil frisch und frech) Regie trifft, ist THE FACULTY (auf Deutsch mit dem peinlichen Zutitel: "Trau keinem Lehrer", ein Verbrechen so was) von Robert Rodriguez (USA 1998). Die Story ist wirklich unter allem Niveau aber Rodriguez unkonventioneller Stil rettet den Film, so das er alles in allem gut unterhält.

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