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![]() ![]() Ein Maskenball, Guiseppe Verdi |
Ein Tod für die FestspieleAusgerechnet der Tod erweckt vom Aussterben bedrohte Formen der "Hochkultur" immer wieder zu neuem Leben. Heuer lockt der Ruf des Sensenmannes jedermann (und -frau) nicht nur auf den Salzburger Domplatz - auch bei den Bregenzer Festspielen verheisst ein überdimensionales Knochengerippe zeitgemässen Kulturgenuss für alle. Als Teil der aufwendigen Kulisse zu Verdis "Maskenball" auf der Bregenzer Seebühne zieht Gevatter Tod nicht nur den Schwedenkönig Gustav in seinen Bann, sondern auch tausende Besucher an das Ufer des Bodensees, die mit der Welt der Oper normalerweise nur wenig zu tun haben. Das Publikum begegnet der "hohen Kunst" mit antrainierter
Opferbereitschaft - schon allein durch Bezahlung der keineswegs niedrigen Eintrittspreise. Optik statt Akkustik Doch ausgerechnet die beeindruckende Kulisse erschwert den musikalischen
Genuss. Wenn in regelmässigen Abständen gigantische Bühnenmechanismen ihren Dienst versehen, Feuerwerk explodiert oder ein hineingeworfener Eimer qualvoll langsam auf den Bodensee hinaustreibt, fällt es dem ungeübten Opernbesucher schwer, sich auf die Musik zu konzentrieren. Vor allem, wenn das Orchester konsequent unter der Bühne verborgen bleibt. Der Ton kommt aus den Lautsprechern - stellenweise sogar hinter den Zusehern - und muss erst im Kopf mit den Gesten der Sänger gemixt werden. Zudem erfordern ein Mangel an Ohrwürmern und längere Solopartien, in denen ein kurzer Handlungsverlauf langwierig (und italienisch) abgehandelt wird, eine weitaus intensivere Aufmerksamkeit als die freudige Erwartung des nächsten Zaubertricks auf der Bühne. Der Zauber der Musik bleibt an diesem Abend jedenfalls aus. Im Publikum ist man dennoch sichtlich zufrieden, applaudiert artig (aber ohne Enthusiasmus), um schliesslich im angrenzenden Casino mit einem Gläschen Sekt auf den gelungenen "Kulturabend" anzustossen. Auf eine musikalische Beurteilung unter gewohnten Rezeptionsbedingungen muss ohnehin nicht verzichtet werden. Dank ORF kann das opulente Bühnenspektakel im Patschenkino-Ambiente genossen werden (ORF2, 15. August, 20.15 Uhr). PR(esse)-Wirkung Gelang es dem fotogenen Knochengerippe am Bodensee zwar nicht, den musikalischen Aspekt des Gesamtkunstwerks Oper in das nächste Jahrtausend zu retten, so hat seine Anziehungskraft auf Medien und Publikum auch ihre guten Seiten. Die - auch international - vielbeachtete "Maskenball"-Inszenierung verschaffte immerhin dem gesamten Bregenzer Festspielbetrieb eine erhöhte Aufmerksamkeit und jede Menge Reputation. Bei der Eröffnung am 20.7. konnte daher mit Bohuslav Martinus "Griechischer Passion" eine weniger bekannte Oper ins Rampenlicht gerückt werden - inklusive derer kaum society-tauglicher Flüchtlingsproblematik. Unglücklicherweise wurden diese medialen Ehren dem zugehörigen Off-Theaterfestival FRINGE leider nicht zuteil. Und so hat sich auch der Autor dieser Zeilen vorzuwerfen, dass er ausgerechnet am Wochende seines Bregenzer Kurzbesuchs eine Zauberflöten-Inszenierung im Thalbacher Steinbruch und die Goethe-Adaption "Who the fuck is Faust?" versäumen musste. In diesem Jahr war der Ruf des Sensenmannes wohl noch zu stark. Doch spätestens bei der Wiederaufnahme des "Maskenballes" im nächsten Jahr und entsprechender Gewöhnung an das Skelett im Bodensee sollte es - wenn schon nicht den Sängern - zumindest dem restlichen Festivalprogramm gelingen, sich noch mehr Gehör zu verschaffen. (04.08.1999/ SL) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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