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Theater ist teuer!

Vor allem dann, wenn man selbst inszeniert...


Oliver Jauk (29) inszenierte "Trotz aller Therapie" von Christopher Durang im Interkulttheater (6., Fillgradergasse 16). Die Aufführungen haben Ende Mai stattgefunden, im Herbst ist das Stück nochmals ebendort zu sehen.


Ich traf Oliver Jauk im Theatercafé um mit ihm über die Schwierigkeiten zu sprechen, denen man ausgesetzt ist, wenn man unabhängig von einer etablierten Bühne, ein Stück inszenieren will.


Elisabeth Ornauer:
Wann und warum hast du die Idee zu diesem Stück gehabt, wie lange waren dann die Vorbereitungsarbeiten dafür?

Oliver Jauk:
Es war nicht meine eigene Idee.
Herbert Hagenbüchler ist an mich herangetreten. Er spielt im Stück den Bruce und hat auch einen Teil der Produktionsleitung übernommen.
Vor Beginn der Proben haben wir beide den Verein "Brainstorming" gegründet.

(Anm.d. Red.: Ob es wirklich als Verein einfacher ist, an eine Subvention heranzukommen?
- Ja. An Einzelpersonen wird keine Subvention vergeben. Einziges Problem: Es gibt schon zu viele Vereine!)


E.O.: Sind alle Schauspieler in dieser Produktion Laien, wie etwa der Darsteller des Psychotherapeuten Dr. Framingham, der im "realen" Leben allgemein beeideter gerichtlicher Sachverständiger für Psychologie ist?


O.J.: Alle sind Laien, bis auf die Darstellerin der Psychotherapeutin Charlotte, gespielt von Linda Feer, die schon am Zürcher Schauspielhaus auf der Bühne gestanden ist.


E.O.: Wie hast du deine Schauspieler gefunden?


O.J.:Teils sind es Bekannte von mir. Ingrid Radauer habe ich zum Beispiel kennengelernt, als ich bei der Caritas meinen Zivildienst geleistet habe.
Michael Graf kommt von der Filmschauspielschule, mit ihm bin ich sehr gut befreundet.


E.O.:Wieviel Zeit hattet ihr, zu proben?


O.J.:Seit Januar 1999, also seit fünf Monaten. Geprobt wurde 2-3 Mal pro Woche abends, da ein Großteil der Darsteller berufstätig ist.


E.O.:Gab es finanzielle Unterstützung von seiten der Stadt Wien, sprich: Kulturamt?


O.J.: Nein. Trotz Beratung bei der IG Freie Theater, die auch mithalf, die Kalkulations-Vordrucke der Stadt Wien auszufüllen, da uns etwa die üblichen Probenpauschalen nicht bekannt waren. Vielleicht ist eine Nachsubventionierung möglich, ich werde noch einmal an Dr. Marboe schreiben.


(Anm. d. Red.: Der amtsführende Kulturstadtrat der Stadt Wien, Dr. Peter Marboe, ist nicht der geeignete Ansprechpartner, da er ausgelastet ist und sich sicher kaum Zeit nimmt für erste Subventionsansuchen. Schreibt ihm auf jeden Fall, damit er sich nicht übergangen fühlt, aber wendet euch zusätzlich vor allem an die Mitarbeiter des Theaterreferates:
Frau Dr. Erika Kaufmann oder Herrn Mag. Thomas Stöphl
, und vereinbart mit ihnen einen Gesprächstermin.)


O.J.: Anhand der Kalkulation kam ich auf eine Summe von ATS 217.000,- für die Produktion.
Als Grund für die Ablehnung hat man uns gesagt: Es sind zu viele Projekte eingereicht worden, der Kulturbudget-Topf ist leer.


(Anm. d. Red.: Das rechtzeitige Planen einer Produktion und das rechtzeitige Einreichen der Subvention ist entscheidend! Das Budget dafür wird schon im Vorjahr eingeteilt, es bleibt dann nur mehr ein sehr geringer Puffer übrig.
Am Kulturamt gibt es eine "Beratungsstelle für Kulturarbeit" für Kulturschaffende, die noch nie ein Projekt eingereicht haben. Dort kann man sich erst einmal über die verschiedenen Förderungsmöglichkeiten informieren.
Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch 9-18 Uhr, Tel.: 4000-81174)


E.O.: Hattest du einen persönlichen Termin am Kulturamt?


O.J.: Nein, ich hab ein Schreiben geschickt, mit unseren Unterlagen, und habe mit Frau Dr. Kaufmann telefoniert.


(Anm. d. Red.: Persönliche Kontakte sind unerlässlich. Nicht bloss schreiben oder anrufen, sondern um einen Termin bitten!)


E.O.: Im Programmheft sind einige Sponsoren mit ihrem Logo vertreten:
Der 2. Weltkongress für Psychotherapie, das Lokal Krebitz, one Teleticket, die Gaststätte Ruberl&Kucera und Lavazza.
Was wurde zur Verfügung gestellt: finanzielle Mittel oder Sachleistungen? Die Schauspieler müssen ja auch bezahlt werden, Druckkosten sind angefallen etc.


O.J.: Der Weltkongress für Psychotherapie ist nur im Programmheft, weil er bald stattfinden wird (4.-8. Juli) und weil das Stück diesbezüglich interessant ist, eventuell auch für Kongressbesucher.
Die Lokale haben die Produktion etwas unterstützt. Im Krebitz arbeite ich aushilfsweise. Dort hatten wir unsere Premierenfeier und wir bekamen dafür ein paar Flaschen Sekt spendiert. Ich arbeite auch bei one Teleticket. Die behalten 10 % der Karteneinnahmen, die sie für das Theater verkaufen. Dafür wurde aber, zum Beispiel im Standard, geworben.
Für die Darsteller waren laut Kalkulation je ATS 5.000,- vorgesehen, was jedoch nur eine Illusion ist bis jetzt.
Mein eigenes Honorar werde ich wohl auch kaum sehen.
Auf jeden Fall wird "Trotz aller Therapie" im September 1999 nochmals einige Male aufgeführt werden, damit doch etwas Geld hereinkommt. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal!


E.O.: Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch.




(20.Juli 1999/ Elisabeth Ornauer)


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