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Das Fräulein Pollingereinmal anders: im Gasthaus Haueisen im PraterIm Wiener Prater sammelte Ödön von Horvath viel Material für seine Stücke: Kann es also einen besseren Ort geben, um den Werbern um sein Fräulein Pollinger Gesellschaft zu leisten? Es ist nicht schwer zu finden, das einzige im Urzustand erhaltene Gasthaus im Prater, das "Haueisen" (Ecke Zufahrtsstraße/Jantschweg). Umgeben von zwei Geisterbahnen, einer Hochschaubahn und anderen Vergnügungsbehelfen. Der Prater scheint ausgestorben, die Geisterbahnen sind leer. Nur in das kleine Gasthaus strömen kurz vor 20:30 Uhr die Menschen: zur Vorstellung vom "Fräulein Pollinger". Die kleine Bühne ist nahe den Gasthaustischen. Das Schauspiel passiert beinahe mitten unter den Gästen. Um 20:45 Uhr geht endlich das Licht aus, und Johanna Orsini-Rosenberg springt als Anna statt als Agnes Pollinger auf die Bühne: Im hellgrauen Kostüm, mit superknappem Mini, hellgrüner Spitzenbluse (der schwarze BH blitzt durch) und hochhackigen Schuhen. Man kann sich nicht wirklich in Horváths Zeit versetzen. Schon gar nicht, als die Schauspielerin zu Rockmusik über die Bühne fetzt. Noch dazu versucht sie, auch die männlichen Rollen zu übernehmen und springt hin und her, um beide Standpunkte veranschaulichen zu können. Ein Abend für eine ehrgeizige Schauspielerin, die sich aber dabei etwas übernimmt. Die Regisseurin Elisabeth Gabriel war zwar Regieassistentin von Peter Zadek, aber davon merkt man nicht besonders viel. Obwohl sie sicher nicht vorhatte das Stück total zu entfremden, verschiebt sie etwa beliebig Textausschnitte, dorthin, wo sie gar nicht hinpassen. Durch die einschneidenden Unterschiede ihrer Textfassung zu Horváths Original wird die Aussage drastisch verändert. Trotz ihres eigenen Ansatzes ist es ihr nicht geglückt, zu begeistern. (29. Mai 1999. Elisabeth Ornauer) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
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