![]() | ||
|
Das Fräulein PollingerLädt ein zum Nachdenken über die wa(h)re LiebeDer Horváth-Spezialist Traugott Krischke erstellte nach Horváths Roman "Sechsunddreißig Stunden" eine szenische Fassung. Das Volkstheater verglich jetzt die Krischke-Fassung mit dem Roman von Horváth und hat eine eigene Spielfassung geschrieben, die sich mehr an Horváths Original hält. Gespielt wird in der Spiel-Bar im Volkstheater, die solchen
außergewöhnlichen Theaterereignissen zur Verfügung steht:
Theatererlebnis mit Bar-Atmosphäre im intimen Rahmen. Dabei kann der
Zuschauer gemütlich an einem der Kaffeehaustische sitzen, ein Getränk
zu sich nehmen und dazu Theater hautnah erleben, mittendrin sein.
Zu beachten dabei ist Fritz Hammels Leistung als Verwandlungskünstler: Er spielt fünf verschiedene Herren, deren verschiedene "Sprachen" ihre Träger kennzeichnen und ihren sozialen Standort mitbestimmen - vom derben Dialekt zum grotesken Jargon der Höhergestellten. Zwischendurch werden Texte - hauptsächlich unausgesprochene Gedankengänge - auch gelesen. Die Schauspieler schlüpfen immer wieder in ihre Rolle(n) und auch wieder in die Rolle des Schauspielers zurück. Ein interessantes Wechselbad. Lukas Goldschmidt begleitet die beiden Schauspieler auf ihrem Weg durch die sechsunddreißig Stunden auf seinem Akkordeon mit Volks- und alten Wienerliedern ("Wenn ich ein Vöglein wär", "Wochenend und Sonnenschein", "Das Glück is a Vogerl"), einem von ihm selbst vertonten Rilke-Gedicht ("Die Einsamkeit") und einem eigens von ihm getexteten und komponierten Blues ("Der Kastner hat scho recht"). Die bekannten Horváth-Themen - die Inflation, die Frau als Opfer
männlicher und gesellschaftlicher Brutalität und die Arbeitslosigkeit
etwa - werden durch die sorgfältig ausgewählten Musikstücke nicht gar
so ernst genommen. Durch dieses brechtsche Mittel gewinnt man eine gewisse
Distanz zum Geschehen.
Première am Mittwoch, 2. Juni 1999
(15. Mai 1999. Elisabeth Ornauer) © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com |
|