FOTO: Akademietheater
[Foto: Programmheft]

Die Stühle

Die absurde Geschichte von Philemon und Baucis im Akademietheater

Am 17. April 1999 hatte der Einakter "Die Stühle" des vor rund fünf Jahren in Paris verstorbenen rumänischen Dramatikers Eugène Ionesco in der Regie von Altmeister Achim Benning im Akademietheater Première.

Die beiden Hauptrollen, das alte Ehepaar, werden von Annemarie Düringer und Branko Samarovski verkörpert. Das Ehepaar lebt wie Philemon und Baucis allein in einem Haus, das nur mehr von Wasser umgeben ist. Es gibt niemand anderen mehr, da die Welt zum Untergang bestimmt ist. Sie leben in einer Welt, die von ihren Wünschen und Träumen beherrscht wird, die nicht in Erfüllung gegangen sind. Und die Gäste, die geladen sind, um die "Botschaft" der beiden Alten zu vernehmen, sind für das Publikum nicht sichtbar. Die vielen Stühle, die für die Besucher zusammengetragen werden, stehen für die versinnbildlichte Erinnerung. Sind die Gäste nur Einbildung? Oder ist vielleicht das Ehepaar gar nicht da? Ist vielleicht keiner da, keiner real, der auf der Bühne steht? Was ist wirklich und was nicht? Niemand weiß das, auch Ionesco selbst wußte keine Antwort darauf zu geben, er wartete darauf, dass man ihm sein eigenes Stück erklärt.

Die Bühne hat Matthias Kralj gestaltet: Links und rechts befinden sich Aufgänge, links eine Leiter für den Alten, rechts eine Wendeltreppe für die Alte, Semiramis genannt. Aufgänge, die hinausführen und aus denen beide dann zum Schluss hinaus- und ins Wasser springen, er links, sie rechts - gleichzeitig, um nicht leiden zu müssen. Zwischen diesen Wegen hinauf in Richtung Erlösung stellen die Alten unzählige, ganz unterschiedliche Stühle auf. Rechts: ein Fernsehapparat, der anfangs, als Semiramis ihn einschalten möchte, nicht funktioniert, aber der im weiteren Verlauf immer wieder von selbst angeht und Bilder von Wasser/Meer und Gewitterwolken zeigt. Ein einfaches, aussagekräftiges Bühnenbild, eine großartige Leistung der beiden Hauptdarsteller, aber insgesamt eine recht konservative Inszenierung, die Lücken und Längen hat.

Etwa der Auftritt des Redners, dessen Aufmachung als Götterbote Hermes mit Flügelschuhen und Reisehut, als Mittler zwischen Göttern und Menschen, der auch die Seelen der Menschen in die Unterwelt geleitete und ein enges Verhältnis zur Redekunst hatte, wieder zur Aussöhnung beiträgt.

Im Großen und Ganzen jedoch eine sehenswerte Aufführung.



(30. April 1999. Elisabeth Ornauer)


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