Sammlung Rothschild

Miszellen aus dem MAK-Alltag

Ein Blick in die hauseigenen Inventarbücher macht deutlich, dass jedes einzelne aus Privatbesitz stammende Objekt, welches durch Konfiskation, Zuteilung, Bergung, als erzwungene Schenkung, Widmung oder Leihgabe in die Museumsbestädne gelangt ist, seine individuelle Geschichte geschrieben hat.

Nicht nur die Art und Weise, auch der Zeitpunkt der jeweiligen Aufnahme variiert beträchtlich. Genauso ist auch der Verbleib mancher Objekte schwierig zu rekonstruieren.

Vieles wurde restituiert, manches ging verloren, wurde eingetauscht oder gar verkauft. Neben den Einträgen
"Gestapo",
"1939 (1940) Bergung Kiste ___",
"zugewiesen vom Inventurbüro aus Laxenburg (Schloß Laxenburg diente als Luftschutzdepot, Anm.d.Verf.)" sind die Vermerke
"restituiert",
"ausgefolgt",
"tausch" oder
"verloren" zu finden.

Beispielsweise wurden zwei von Blumelhuber gearbeitete Eisenobjekte, ein Fingerring und ein Brieföffner, an Rudolf Gutmann rückerstattet. Aus dieser umfangreichen Kunstsammlung stammte auch eine Dürer-Graphik, eine Madonna mit Kind des Jahres 1516, welche 1946 restituiert wurde. Eine von der Gestapo eingezogene Elfenbeindose des frühen 19. Jahrhunderts wurde im August 1947 an Frau Schüller rückerstattet. Clarisse Rothschild erhielt ein Tafelmesser und eine Gabel, Nürnberger Goldschmiedearbeiten des 17. Jahrhunderts ausgefolgt. Ihre Tochter, Bettina Looram, kam nun anläßlich der Rückgabe von 73 Katalognummern aus der beschlagnahmten, z.T. restituierten, z.T. wieder abgepreßten Familiensammlung im Februar dieses Jahres persönlich ins MAK, um eine bescheidene Auswahl der von ihr einbehaltenen Objekte zu treffen.
Hierbei ließ sie sich bereitwillig vom Museumspersonal beraten und war auch sehr spendabel in der Trinkgeldvergabe - so erzählt man.

Für die Erben der Sammlung Huber, welche Rückgabeansprüche angemeldet hatten, taten sich unerwartete Schwierigkeiten auf. So wurden Listen der betreffenden Provenienz angelegt, die Objekte gesammelt, jedoch noch nicht ausgefolgt.
Grund der Verzögerung:
Neben der Erbschaftssteuer schreckt die nachträglich zu bezahlende Lagergebühr die Erben vor der Rückgabe ab. Die kostspielige Inanspruchnahme des Erbes könnte den tatsächlichen Wert der Sammlung übersteigen - was im Fall der erstklassigen Rothschild-Kollektion natürlich nicht passieren konnte!





(06.09.1999. Dagmar Redl)



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