Sammlung Rothschild

Rückgabe und Auktion

Die Rückgabe

"Ich kann es im Augenblick noch immer nicht fassen, dass nach 50 Jahren die Werke zurückgegeben werden - es ist ein herrliches Gefühl der Genugtuung über ein Stück Gerechtigkeit.",
mit diesen Worten kommentierte die Tochter von Alphonse und Clarisse Rothschild, Bettina Looram-Rothschild, die Rückgabe von rund 250 Kunstgütern aus den Beständen der österreichischen Bundesmuseen .

Der vom Unterrichtsministerium geleitete Rückgabebeirat hatte der Ressortchefin, Elisabeth Gehrer, die Restitution der 239 Katalognummern umfassenden Sammlungen Louis, Alphonse & Clarisse Rothschild empfohlen. Der Haupterbin Bettina Looram wurde die erste Kollektion zur Gänze, die zweite zur Hälfte im Februar dieses Jahres ausgefolgt, der Rest erging an ihre Nichten und Neffen.

Bei den restituierten Objekten handelt es sich nicht um Kriegsgut im engeren Sinn, der eigentlich rechtlich gedeckte "Raub" erfolgte in den Nachkriegsjahren im Zuge der Rückgabe der beschlagnahmten Kunstgüter.
Im Austausch mit Ausfuhrbewilligungen presste das Bundesdenkmalamt auf Initiative allzu beflissener Sammlungsleiter die durchwegs erstklassigen Objekte von den emigrierenden Familienmitgliedern ab.


Suche nach Objekten

Basierend auf dem im November 1998 beschlossenen Gesetz über die Rückgabe von "Raubkunst" , wurde nunmehr aus den Bundesmuseen das Rothschild'sche Erbe geräumt.

Die von Generalkonservator, Ernst Bacher, geleitete Expertenkommission leistete die notwendige Vorarbeit, indem die Provenienz der Museumsbestände überprüft und Objektlisten zu den Rothschild-Sammlungen angelegt wurden.

Fazit dieser Nachforschungen:
Die Kunstgegenstände wurden in Sammlungen verschiedener Gebietskörperschaften auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene versprengt und dem jeweils hauseigenen Inventar eingefügt. Die Rückgabe der in den Landessammlungen verbliebenen Bestände steht bis dato noch aus.

"Durchforstet" wurden hingegen die großen Häuser:

  • Allein 22 Gemälde kamen aus dem Kunsthistorischen Museum.
    Acht hochrangige Bilder der niederländischen Schule wurden bisher in der fixen Schausammlung präsentiert - darunter drei Porträts von Franz Hals und Werke von David Teniers d.J., Adriaen Jansz van Ostade oder Jan Wynants.
  • Ebenso gaben die museumseigenen Spezialkollektionen jeweils eine Reihe an Katalognummern zurück: die Sammlung alter Musikinstrumente, die Waffenkammer, die Kunstkammer und das Münzkabinett.
  • Neun Gemälde und zwei Bleireliefs verließen die Österreichische Galerie,
  • 38 Werke (u.a. von Rudolf von Alt) die Graphische Sammlung Albertina,
  • illuminierte Handschriften die Österreichische Nationalbibliothek,
  • sechs Objekte das Heeresgeschichtliche Museum.
  • Auf 73 Nummern beliefen sich die vom Museum für angewandte Kunst abgetretenen französischen Möbel (z.T. von Ludwig XV. und Ludwig XVI.), orientalischen Teppiche, astronomischen Instrumente und Medici-Porzellane.

    Was folgte nun dieser erstmaligen substanziellen Richtungsentscheidung in der österreichischen Rückgabe-Praxis?
    Hatte Bettina Looram vorerst noch erklärt, mit ihren heimgekehrten "Kindern" schlichtweg "leben" zu wollen, siegte letztlich doch die attraktive Altnernative des profitablen Verkaufs.


    Kaufe Rothschilds. En Gros.

    Am achten Juli dieses Jahres kam es zur fulminanten Auktion bei Christie's in London. Das Auktionshaus hatte zuletzt mit dem Wentworth House Sale, den Besitztümern der Prinzen Reuss und Fürsten von Mecklenburg Privat- bzw. Restitutionssammlungen unter den Hammer gebracht. Die von Österreich knapp zuvor an insgesamt fünf Erben ausgefolgten Rothschild-Bestände wurden - bis auf wenige Ausnahmen - unter dem Titel "Sammlungen der Barone Nathaniel und Albert von Rothschild" zur Versteigerung freigegeben.

    Mit einem Gesamtergebnis von über 1,2 Milliarden Schilling - weniger als die Hälfte hatte man erwartet - und 23 Weltrekorden bei den Hammerpreisen der 218 eingebrachten Lose erwarb die Kollektion der österreichischen Rothschild-Linie den höchsten je in Europa für eine Einzelsammlung erzielten Erlös.

    Lord Hindlip, Präsident von Christie's International und persönlicher Freund von Bettina Looram, hatte also allen Grund, nach Abschluß einer der einträglichsten Auktionen seines Hauses die Prinzipalerbin mit seinem Dank zu würdigen.


    Rekordpreise und Mythos




    (06.09.1999. Dagmar Redl)



    © wink.at : e-mail : wink.magazin@chickmail.com

  • zurück

    Rückgabe und Auktion
    Rekordpreise und Mythos
    Restitutionspolitik nach 1945
    Gegenwärtige Rückführungspraxis
    Miszellen aus dem MAK-Alltag

    Die homepage vom MAK