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Bregenz und die Brüste

Die Provokation

Die Provokation und ein Grund für die Überreaktion der Bevölkerung liegt weniger am Inhalt der Kunst, sondern an dem weitverbreiteten Irrglauben der Bevölkerung, die Kunst hätte außer Provokation nichts zu bieten.


"Bei uns bemüht man sich, anstatt zu informieren, zu diskutieren, Kunst aufzuzwingen. Wie soll da Kunst wohl Freude, zumindest aber einigermassen Verständnis wecken, " fragt sich folglich der Kolumnist "Ihr Spaziergänger" im Vorarlberger "Blättle".


Aufklärungsbedarf herrscht nicht über den Anspruch, den ein Kunstwerk an sich selbst stellt ("Der Künstler beschäftigt sich mit..."), sondern über die Funktion, die Kunst heutzutage für die Gesellschaft erfüllen will und kann.


Ein Vermittlungsprogramm, sei es auch noch so engagiert, erreicht nur die ohnehin Kunstinteressierten. Andere Betroffene, die mit Kunst nur auf der Straße in Berührung kommen, werden wohl kaum gewillt sein, zur Diskussionsveranstaltung ins Bregenzer Kunsthaus zu kommen, um sich erklären zu lassen, warum sie die störenden Bilder gefälligst zu akzeptieren haben (Kunsthaus Bregenz, 9.8.99, 20 Uhr). Zu beklagen ist nicht der Inhalt, sondern die Bevormundung der Bevölkerung durch den Kunstbetrieb.


"Man kann davon ausgehen, daß in der nun geschaffenen emotionsgeladenen Atmosphäre wenig über Kunst gesprochen werden wird.(...) Wobei es nicht um die Frage der Qualität der Arbeit, sondern vielmehr um deren Inhalt gehen wird." beklagt Gastkommentator Walter Fink in den Vorarlberger Nachrichten.


Von der Harmlosigkeit des Bildinhalts zu überzeugen, war auch das Ziel der einzigen Vermittlungsaktion die VOR Anbringung der Plakate versucht wurde.
Kurator Rudolf Sagmeister konfrontierte die zehnjährige Maria mit der unzensurierten Version des Araki-Zyklus und veröffentlichte das "wunderschöne Märchen" (VN, 6.7.99), das trotz der "Sensibilität eines Kindes" aus der Begegnung entstanden war in den Vorarlberger Nachrichten und im Katalog.
Von der Harmlosigkeit ist man überzeugt, selbst wenn in besagtem Märchen von "roten Rosen, die bald welken sollten" und Männern, die ihre "Frauen am nächsten Tag erstochen und an Sessel gefesselt wiederfanden" erzählt wird.


Daß es sich bei Maria nicht um irgendein "kleines Vorarlberger Mädchen", sondern um die Tochter des Kurators handelt, wurde in dem VN-Artikel wohlweislich verschwiegen.
Die Kenner


(SL / 06.08.1999)



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